Karin Welge, Kämmerin der Stadt Gelsenkirchen, spricht im DNK-Interview über die Herausforderungen in Gelsenkirchen.

Stadt Gelsenkirchen

16.03.20
Haushalt

Kämmerin Welge: „Der Haushalt ist kein Selbstzweck“

Gelsenkirchens Stadtkämmerin Karin Welge (SPD) steuert die Stadt mit einem rigiden Konsolidierungskurs. Im DNK-Interview spricht sie auch über ihren nächsten Karriereschritt und die Herausforderungen, die das Kämmerer-Dasein in Gelsenkirchen mit sich bringt.

Frau Welge, Sie sind seit mehr als vier Jahren Kämmerin der Stadt Gelsenkirchen. Warum wollen Sie jetzt Oberbürgermeisterin werden?  

Seit über 30 Jahren arbeite ich in der Verwaltung, mehr als 20 Jahre davon am Niederrhein unter anderen finanziellen Voraussetzungen als in Gelsenkirchen. Im Rahmen meiner bisherigen Tätigkeit durfte ich verschiedenste Themengebiete kennenlernen und in verantwortungsvoller Position mitgestalten. Für mich ist diese Arbeit nicht nur ein Job, sondern ein Privileg, jeden Tag das kommunale Umfeld, das Leben der hier wohnenden und arbeitenden Menschen mitgestalten zu können. Das Amt der Oberbürgermeisterin bietet die Möglichkeit, eine Klammer um all die Themen eines städtischen Zusammenlebens zu bilden, sie kreativ zu verbinden und systematisch zu vernetzen. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen und mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam noch mehr gestalten.  

Welche Pläne haben Sie für Ihre Zeit als Oberbürgermeisterin, sollten Sie bei den Kommunalwahlen im September dieses Jahres gewählt werden?  

Gelsenkirchen bietet unzählige Themen und Herausforderungen. Mit den Bürgern und für die Bürger möchte ich alles tun, um unsere Stadt für die Zukunft weiterzuentwickeln. Es wird maßgeblich darauf ankommen, auch in Zukunft den sozialen Zusammenhalt der Gelsenkirchener Stadtgesellschaft zu wahren und unsere Stadt, trotz der finanziellen Restriktionen und schwierigen Rahmenbedingungen, fit für die Zukunft zu machen. Gleiches gilt natürlich auch für die Rolle als Verwaltungschefin von mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Gelsenkirchen. Schon jetzt befinden wir uns mitten in einem Umbruch, verursacht durch den derzeitigen Generationenwechsel und auch durch rasante Entwicklungen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung. Als Oberbürgermeisterin möchte ich auch die Stadtverwaltung modern, offen und zukunftsgerichtet aufstellen.  

Wo sehen Sie die größten Anknüpfungspunkte an Ihre Arbeit als Kämmerin?  

Da sehe ich insgesamt eine große Schnittmenge. Der Haushalt ist kein Selbstzweck. Er bildet die Grundlage, um auch in schwierigen Zeiten das Beste aus den finanziellen Rahmenbedingungen herauszuholen. Darin besteht auch eine der Hauptaufgaben eines Oberbürgermeisters. Es müssen Prioritäten gesetzt und gemeinsame Lösungen gefunden werden.

500 Millionen Euro Transferleistungen im Haushalt

Sie sprachen eben über die vielen Herausforderungen, die es in Gelsenkirchen zu meistern gilt, …

… Die Probleme sind offenkundig. Wir können und dürfen sie nicht negieren. Mit 500 Millionen Euro machen Transferleistungen auch in diesem Jahr fast die Hälfte der Gesamtausgaben der Stadt aus. Dazu kommen andere Dauerthemen wie der Strukturwandel des Ruhrgebiets insgesamt, Arbeitslosigkeit und Zuwanderung. Aber auch die Systematik der Kommunalfinanzen allgemein ist für Gelsenkirchen eine Herausforderung, begünstigt sie doch in ihrer Grundausrichtung nicht unbedingt die Kommunen, die eine schwächere Sozialstruktur haben.  

Wie ist die Arbeit als Kämmerin in einer solchen Kommune? Welcher Gestaltungsspielraum bleibt Ihnen? 

Auch wenn ich keine Herausforderung scheue, könnte ich sicherlich auf die eine oder andere verzichten. Dennoch ist es den Kollegen der Kämmerei in guter Zusammenarbeit mit den politischen Akteuren trotz des rigiden Konsolidierungskurses gelungen, die Einschnitte für die Stadtgesellschaft in Grenzen zu halten. Man wird kreativer und phantasievoller, wenn es darum geht, immer mehrere Aufgaben gleichzeitig und mit immer weniger Mitteln zu lösen. Durch den Strukturwandel ist die Einwohnerzahl in Gelsenkirchen von knapp 400.0000 Einwohnern in den fünfziger Jahren auf heute nur noch 260.000 geschrumpft. Das gesamte Ruhrgebiet hat im gleichen Zeitraum aber nur 15 Prozent seiner Einwohner verloren. Wir in Gelsenkirchen müssen versuchen, mit kleinen Dingen Großes zu bewirken. Dazu gehört auch, Neues auszuprobieren und alte Verkrustungen zu durchbrechen. Das ist nicht immer einfach.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Seit drei Jahren gibt es etwa das Beteiligungsformat der Bezirksforen. Dort können Bürger ihre Ideen formulieren, und die Stadt stellt für die Umsetzung kleines Geld zur Verfügung. Damit lassen sich erste Impulse in den Quartieren setzen – auch dafür, dass sich die Bürger ernst genommen fühlen und gerne in Gelsenkirchen wohnen bleiben.  

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

Bei dem hier veröffentlichten Interview handelt es sich lediglich um einen kurzen Ausschnitt aus dem Gespräch mit Gelsenkirchens Kämmerin Karin Welge. Das vollständige Interview erscheint in der neuen Printausgabe von Der Neue Kämmerer am Freitag 13. März. Darin erfahren Sie mehr über die Zeit nach dem Stärkungspakt in Gelsenkirchen sowie über die Ideen der Stadtkämmerin für eine Lösung des Altschuldenproblems.