Studie zu Karrierewebsites von Kommunen

15.03.18 12:29

Online-Bewerbersuche: Kommunen verschenken Potential

Von Sarah Nitsche

Unübersichtliche Websites, umständliche Bewerbungswege, keine Präsenz auf Social-Media-Kanälen: Viele Kommunen laufen Gefahr, Bewerber mit ihren Karriereseiten abzuschrecken. Das zeigt eine aktuelle Studie, die Städten und Gemeinden in Deutschland flächendeckend großen Nachholbedarf bescheinigt.

In Zeiten von annähernder Vollbeschäftigung suchen sowohl Unternehmen als auch Kommunen händeringend nach geeignetem Personal. Die öffentliche Hand ist dabei schon strukturell im Nachteil, kann sie gut ausgebildeten Fachkräften häufig keine Gehälter bieten, die mit denen aus der freien Wirtschaft konkurrieren können. Allerdings stehen sich Kommunen bei der Rekrutierung auch selbst im Weg – das zeigt die gerade erschienene „Kommunen-Studie Karrierewebsites“ von Index Research. Das Marktforschungsunternehmen hat die Online-Auftritte von 100 deutschen Städten und Gemeinden untersucht, die – außer bei den Stadtstaaten – die drei jeweils einwohnerstärksten Kommunen der Länder umfassen und durch die einwohnerstärksten Kommunen im Bundesgebiet ergänzt wurden.

 

Überprüft haben die Marktforscher die kommunalen Karriereplattformen bzw. Unterseiten der Homepages nach 85 Kriterien aus sechs übergeordneten Kategorien: Zugang (Auffindbarkeit der Seite durch Suchmaschinenoptimierung), Usability (Einfachheit der Bedienung), Kontaktoptionen, Stellenmarkt (Aktualität und Informationsgehalt der Ausschreibungen), Links zu Social-Media-Profilen sowie schließlich weiterführende Informationen zum Arbeitsumfeld.

Mehr als fünf Klicks bis zur Anzeige

Besonders die fehlende Übersichtlichkeit der Karrierewebsites ist ein häufiges Problem: Bei rund einem Drittel der untersuchten Seiten benötigen Bewerber mehr als drei Klicks vom Einstieg bis zur Stellenanzeige, fast genauso hoch ist der Anteil der Seiten, die mehr als fünf Menüpunkte in der Navigation des Bewerberbereichs umfassen.

 

Nachholbedarf haben viele Kommunen auch bei den Bewerbungskanälen. Nur etwas über die Hälfte lässt Bewerbungen per E-Mail zu, bei 18 Prozent können Kandidaten ihre Unterlagen sogar lediglich über den Postweg einreichen. Über Online-Formulare, wie sie bei größeren Unternehmen mittlerweile Standard sind, verfügen nur sechs der 100 untersuchten Kommunen.

Große Kommunen besser aufgestellt

Ein weiteres Manko gegenüber der Privatwirtschaft ist der Social-Media-Bereich. Zwar haben 82 Prozent einen Facebook-Account, aber nur die Hälfte veröffentlicht dort auch Karriereinformationen. Nur jede dritte Kommune hat sich zudem ein Arbeitgeberprofil bei Xing und/oder Linkedin angelegt.

 

Das Gesamtergebnis zeigt deutliche Unterschiede – sowohl zwischen größeren Städten mit über 150.000 Einwohnern und kleineren, als auch beim West-Ost-Vergleich. Die Portale der Großstädte erreichen im Schnitt 45 Prozent der möglichen Punkte und liegen besonders bei der Suchmaschinenoptimierung vorne, kleinere Städte kommen in der Gesamtauswertung auf 38 Prozent. Eine ähnliche Diskrepanz ergibt der Vergleich zwischen west- und ostdeutschen Kommunen: Städte und Gemeinden in den alten Bundesländern erzielen durchschnittlich 43 Prozent der möglichen Punkte, die Kommunen in den neuen Bundesländern 37 Prozent.

 

s.nitsche@derneuekaemmerer.de