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14.06.18
Prozessmanagement & IT

Verwaltung verschenkt Potenzial bei der Digitalisierung

Zwar sind sich Verwaltungschefs einig, dass die Digitalisierung zu ihren derzeit größten Herausforderungen zählt, dennoch schöpfen sie die neuen Möglichkeiten nicht völlig aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des FAZ-Instituts.

Gefragt nach den größten Herausforderungen, denen sich die öffentlichen Verwaltungen in Deutschland stellen müssen, stehen bei den Verwaltungschefs Digitalisierungsthemen ganz oben. Dies zeigt die aktuelle Ausgabe des Branchenkompasses Public Services. Dabei wird laut den Autoren der Studie klar, dass die Hürden nicht in der Technik an sich liegen, sondern in der organisatorischen Umsetzung. Diese sei komplex.

Für den Branchenkompass mit dem Thema „Digital, effizient, zukunftsfähig: Herausforderung Digitalisierung“ befragte das Marktforschungsinstitut Forschungswerk im Auftrag des FAZ-Instituts und des Beratungsunternehmens Sopra Steria Consulting 100 Entscheider aus ebenso vielen Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen in Deutschland. Sie gaben einen Einblick in die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen durch die Digitalisierung im öffentlichen Sektor.

Verwaltungschefs hoffen auf personelle Entlastung

Schwierigkeiten bereiten den Verwaltungen demnach „die Integration aller Anbieter auf einer
Plattform, ein umfassendes Ticketing oder der Zugriff auf Echtzeitdaten.“ Dabei sind sich laut Studie alle Beteiligten darüber einig, dass es unumgänglich ist, diese Hürden zu nehmen.

Zum politischen Druck von „oben“, beispielsweise durch die Verabschiedung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) oder der EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO), kommt der Fachkräftemangel hinzu. Laut Studie waren bereits im vergangenen Jahr 34.000 Stellen im öffentlichen Dienst des Bundes unbesetzt. Auch auf kommunaler Ebene ist es vielerorts schwierig, Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu halten. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Befragten von der fortschreitenden Digitalisierung auch eine personelle Entlastung ihrer Verwaltungen erhoffen.

Digitale Verwaltung bis 2022

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. So sind laut Branchenkompass die gesetzlichen E-Government-Anforderungen noch lange nicht vollständig umgesetzt. Die „Verwaltungen müssen sich strecken, um bis 2022 alle Verwaltungsleistungen digital anbieten zu können“, heißt es dort.

Gegenüber der letzten Umfrage aus dem Jahr 2016 ist jedoch das Problembewusstsein bei den Entscheidern in den öffentlichen Verwaltungen gestiegen. So sehen jetzt mehr Befragte als noch vor zwei Jahren organisatorische Themen als Schwierigkeit an. Eine größere Bedeutung messen sie daher dem Prozessmanagement, der Aufgabenpriorisierung, gesetzlichen Neuerungen, neuen Aufgaben sowie der internen Organisation bei.

IT-Innovationen vernachlässigt

Die anhaltend hohe Arbeitsbelastung, um die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung zu stemmen, führt jedoch laut Studie dazu, dass IT-Innovationen häufig vernachlässigt werden. So ist auch der Wissensstand auf diesem Gebiet nach eigener Einschätzung der Verwaltungschefs „oft noch eher gering“. Lediglich 6 Prozent der Entscheider schätzen ihr Wissen als „sehr groß“ ein. Daher ist es auch wenig erstaunlich, dass nur ein gutes Viertel der Befragten den Umgang mit IT-Innovationen als eine große Zukunftsaufgabe wertet.

Innovationsideen kommen laut Studienergebnis zumeist nicht aus den Verwaltungen selbst, sondern durch Anstöße von außen – etwa durch neue gesetzliche Vorgaben oder Praxisbeispiele anderer Kommunen. Die Autoren sehen auf dem Gebiet noch größeres Potenzial für künftige Neuerungen: „Veränderungsmanagement hat eine hohe Bedeutung für das Gelingen von Innovation, aktuell wird aber die Bandbreite möglicher Maßnahmen noch nicht ausgeschöpft.“

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

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