Kämmerer und ihre Kommunen setzen in großen Teilen bereits auf E-Mobilität.

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11.12.19
Prozessmanagement & IT

Wie Städte und Gemeinden die E-Mobilität angehen

Viele Kämmerer investieren bereits in Elektromobilität, besonders Großstädte zeigen sich als Vorreiter. Ärmere Kommunen hinken indes hinterher.

Deutschlands Städte und Gemeinden versuchen ihren Teil im Kampf gegen den Klimawandel beizutragen: Wie aus einer Umfrage des Beratungsunternehmens EY unter 300 deutschen Kommunen und ihren Kämmerern hervorgeht, haben drei von vier Gemeinden bereits in Elektromobilität investiert. Weitere 10 Prozent gaben an, dass zwar noch keine Investitionen geflossen seien, es aber in den kommenden zwei Jahren geplant sei. Nur 16 Prozent beschäftigen sich noch gar nicht mit dem Thema E-Mobilität.

Besonders Großstädte und reiche Kommunen zählen zu den Vorreitern. Alle befragten Städte mit über 200.000 Einwohnern haben bereits in E-Mobilität investiert ebenso wie 78 Prozent der Kommunen mit einem Haushaltsüberschuss oder einem zumindest ausgeglichenem Haushalt. Derweil haben erst 55 Prozent der Kämmerer mit einem Haushaltsdefizit Gelder für die E-Mobilität zur Verfügung gestellt.

Kommunen investieren in emissionsfreie Autos

Und wofür wird das Geld genutzt? Laut EY-Studie fließen die Investitionen in 61 Prozent der Fälle in die Umrüstung der städtischen Flotten auf emissionsfreie Fahrzeuge, die mit Batterien oder Brennstoffzellen ausgestattet sind. 57 Prozent der Kommunen geben zudem Partnerschaften mit Ladeinfrastrukturbetreibern an, jeder zweite Befragte nennt darüber hinaus Installationen von Ladepunkten im öffentlichen Raum als Verwendungszweck.

Auch bei der beliebten Umrüstung auf emissionsfreie Fahrzeuge zeigt sich ein klarer Unterschied zwischen armen und reichen Gemeinden: Zwei von drei Kommunen mit einem Haushaltsüberschuss oder ausgeglichenem Haushalt haben laut EY schon in die Umstellung der Flotte auf E-Autos investiert, wohingegen nur 37 Prozent der Kommunen mit einem defizitären Haushalt angaben, dies getan zu haben. Vorreiter in Sachen Umrüstung sind die Länder Baden-Württemberg (77 Prozent) und Hessen (73 Prozent), beim Schlusslicht Nordrhein-Westfalen setzt nur jede zweite Kommune auf die klimafreundlichere Variante.

Hessen ist bei der Installation von öffentlichen Ladepunkten Spitzenreiter.

Bei der Installation von öffentlichen Ladepunkten ist indes Hessen mit Abstand vorne: In dem Bundesland installieren drei von vier Kommunen Ladepunkte oder planen dies. Die zweit- und drittplatzierten Baden-Württemberger (58 Prozent) und Bayern (55 Prozent) sind schon deutlich dahinter. Schleswig-Holstein belegt mit einer Quote von nur 27 Prozent den letzten Platz.

2020 fahren 500.000 E-Autos und Hybride

Ein Einbruch der Nachfrage ist den Experten von EY zufolge kaum zu erwarten. Derzeit seien etwa 300.000 Elektroautos und Plug-in-Hybride auf deutschen Straßen unterwegs. Im kommenden Jahr soll diese Zahl deutlich auf über 500.000 Fahrzeuge steigen. 

„Es bedarf eines Investitionsschubs und erheblicher Anstrengungen von mehreren Seiten.“

Bernhard Lorentz, Partner bei EY

Auf diesen starken Anstieg an E-Autos müssen Kämmerer und ihre Kommunen sich vorbereiten: „Um für das erwartete Wachstum und die damit steigende Nachfrage nach öffentlichen und privaten Lademöglichkeiten gewappnet zu sein, bedarf es eines Investitionsschubs und erheblicher Anstrengungen von mehreren Seiten“, stellt Bernhard Lorentz, Partner bei EY und Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, fest. Neben der Autoindustrie, die bereits dabei ist, in großer Zahl Schnellladestationen entlang der Autobahnen zu errichten, sind aus seiner Sicht die Kommunen gefordert – und in besonderem Maße die Immobilienwirtschaft.

E-Mobilität: Immobilienbranche ist noch skeptisch

Doch gerade an letzterer hakt es: Immobilienunternehmen zeigen sich noch zurückhaltend, was das Installieren von Ladepunkten angeht. Dieses gehört nicht zu ihrem Kerngeschäft, weshalb die sehr traditionell geprägte Branche das Thema E-Mobilität noch skeptisch beäugt. 60 Prozent der befragten Immobilienunternehmen bezweifeln etwa, dass sich E-Autos tatsächlich am Markt durchsetzen.

EY rechnet hier erst mit einem Umdenken, sobald Mieter und Käufer einen höheren Druck ausüben. Solange sollten die öffentliche Hand, die Energiewirtschaft und die Autoindustrie indes nicht mehr warten, rät Oliver Schweizer, Partner bei EY Real Estate: „Um schnell Ergebnisse zu sehen, sollten daher die Immobilienunternehmen jetzt ins Boot geholt werden, und es müssen gemeinsam mit der Branche konkret auf deren Bedarf zugeschnittene Angebote und Förderprogramme entwickelt werden.“

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de

Die vorliegende Studie vom Beratungsunternehmen EY wurde von Juni bis August 2019 durchgeführt. Zum einen wurden circa 30 Unternehmen aus der Immobilienwirtschaft befragt, zum anderen Stadtkämmerer und leitende Mitarbeiter der Finanzverwaltung von 300 deutschen Kommunen mit mindestens 20.000 Einwohnern (ohne Stadtstaaten). 

Alles wichtige zum Wandel deutscher Kommune finden Sie auf der DNK-Themenseite Infrastruktur.