In dieser turbulenten Zeit mit extremen Wendungen sowohl innen- als auch außenpolitisch überschlagen sich die Ereignisse in ungekannter Geschwindigkeit. Die vorgezogene Bundestagswahl tritt so beinahe schon in den Hintergrund – nur wenige Tage nach der Wahl ist die aktuelle Zeitung von Der Neue Kämmerer in den Druck gegangen.
Seitdem hat sich die Welt erbarmungslos weitergedreht, Themen wie die Altschuldenlösung erscheinen vor dem Hintergrund der von CDU und SPD vorgeschlagenen Hunderte Milliarden Euro schweren Schulden für Infrastruktur und Verteidigung wie Peanuts – Grund genug, den Gastkommentar von Barbara Meyer, Finanzdezernentin der Stadt Saarbrücken, ausnahmsweise bereits vor Veröffentlichung der Zeitung online zu bringen. Nachlesen können Sie ihn hier.

Doch Der Neue Kämmerer beleuchtet auch, dass zumindest einige Kämmerinnen und Kämmerer durchaus zuversichtlich in die Zukunft blicken. Treffend auf den Punkt gebracht hat das eine Stimme aus der exklusiven Umfrage unter mehr als 200 Kämmerinnen und Kämmerern direkt nach der Bundestagswahl: „Ärmel hochkrempeln und los geht’s!“ Diesen Kommentar eines Teilnehmers aus der von DNK und F.A.Z. Business Media | research durchgeführten Befragung fand die Redaktion so passend und gleichzeitig ermutigend, dass wir damit den Leitartikel überschrieben haben. Doch die Umfrageergebnisse fördern auch eine große Ambivalenz der Kämmerer über den Ausgang der Bundestagswahl zutage. So rechnete die Mehrheit weder mit einer verbesserten kommunalen Kassenlage noch mit erhöhten Chancen auf eine Altschuldenlösung.
Kämmerer der Stadt Bonn im Interview
Als „hoffnungsvoller Realist“ beschreibt sich Michael Fark, Kämmerer der Bundesstadt Bonn, im DNK-Interview. Er spricht über den Bonner Haushalt auf dem Prüfstand und die Vielzahl an Projekten, die er als Kämmerer in der Bundesstadt umsetzen muss. Bei allen Kontroversen im Rat ist ihm ein wertschätzender Umgang zwischen Verwaltung und Politik wichtig.
Die Reportage auf der Seite drei zeigt passend dazu Neustadt an der Weinstraße als „Die Stadt mit dem Meinungsstreit in der DNA“. Das Hambacher Schloss ist als symbolträchtiger Ort der europäischen Demokratiegeschichte bekannt, doch es lohnt sich auch ein genauerer Blick auf die Stadt. Sie positioniert sich als „Demokratiestadt“. Unter anderem mit einem Bildungsbüro will sie den demokratischen Meinungsstreit beflügeln.
Stadtwerke brauchen Eigenkapital
Ebenfalls vorwärtsgewandt formuliert Enercity-Vorstand Marc Hansmann im Gespräch mit DNK: „Wir verstehen uns als Frontrunner der Energie- und Wärmewende“. Doch er fordert auch, dass Energieunternehmen die Chance haben müssen, Gewinne zu erwirtschaften. Denn die Phase der Vollausschüttung sei vorbei. Wenn ein Stadtwerk der Kommune die Wärmewende komplett abnehme, brauche es auch Eigenkapital, sagt der ehemalige Kämmerer der Landeshauptstadt Hannover.
Einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in die Schweiz liefert der Gastbeitrag „Nur einfache Reformen gelingen gut“ von Theo Haldemann. Er war Gesamtprojektleiter bzw. Fachstellenleiter Neues Führungsmodell für die Bundesverwaltung in der Eidgenössischen Finanzverwaltung. Abgeleitet aus den Erfahrungen mit dem „Neuen Führungsmodell“ aus der Schweiz gibt er Denkanstöße für Reformen.
Nürnbergs Stadtkämmerer Thorsten Brehm will in seinem Gastbeitrag zum „Stiften anstiften“. Er berichtet, wie die Stadt mit der „Stiftungsinitiative Nürnberg“ ein Netzwerk geschaffen hat, das sich seit über 15 Jahren der Förderung des Stiftungswesens widmet. Das Ziel: Stiftungen als Instrument bürgerschaftlichen Engagements stärken und mehr Menschen dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden.
Ermutigend wirkt auch die Geschichte von Said Ramez Payenda vom Geflüchteten aus Afghanistan zum Kämmerer der Stadt Ratzeburg. Wie er diesen Weg bewältigt hat, davon erzählt der 30-Jährige im Ressort Personal.
Über Fachkräftemangel und Tarifverhandlungen berichtet Karin Welge, Verhandlungsführerin der VKA und Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. Mit Blick auf den Tarifabschluss von vor zwei Jahren sagt sie: „Heute müssen wir die Situation ganz anders bewerten.“ Sie spricht sich im Interview dafür aus, Prozesse effizienter zu gestalten, Aufgaben abzubauen und Anreize für mehr Arbeit zu schaffen – anstatt im Angesicht des Fachkräftemangels immer mehr Lohn für immer weniger Arbeit zu fordern.
Bleiben Sie optimistisch!
Info
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Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.

