Bernhard Ziegler, Vorstand des Interessenverbands kommunaler Krankenhäuser, fordert ein Umdenken bei der Krankenhausfinanzierung.

Die Krankenhausfinanzierung habe „Reformbedarf – und zwar grundsätzlich“. Darauf weist der Vorstandsvorsitzende des Interessenverbands kommunaler Krankenhäuser, Bernhard Ziegler, im Gespräch mit der OBM-Zeitung hin. Die prekäre Finanzsituation vieler Krankenhäuser sei systembedingt. Hier fordert Ziegler ein Umdenken. Die gesundheitliche Daseinsvorsorge der Menschen lasse sich nicht nach kommerziellen und marktwirtschaftlichen Kriterien kalkulieren.

Städtetag: Investitionsstau von 30 Milliarden Euro

Der Deutsche Städtetag hatte zuletzt „Alarm“ geschlagen. Demnach bestehe im Bereich kommunaler Großkrankenhäuser und von Häusern der Maximalversorgung ein Investitionsstau von rund 30 Milliarden Euro. Zudem sei der Betrieb vieler Häuser strukturell unterfinanziert. Darüber hinaus habe die Coronakrise die Jahresergebnisse der Krankenhäuser um durchschnittlich sechs Millionen Euro verschlechtert.

Der Städtetag erwartet, dass rund 80 Prozent der Krankenhäuser das Bilanzjahr 2020 mit Verlusten abschließen. 2019 waren es rund 40 Prozent. Der Spitzenverband befürchtet massive Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte: Viele Kommunen müssten für die Finanzlücken ihrer Krankenhäuser einstehen und würden zu „Ausfallsbürgen“.

Gesundheitsversorgung „nicht kommerziell darstellbar“

Ziegler sieht die Gründe für die Finanzlücken vor allem in strukturellen Fehlern des Gesundheitssystems. Die grundsätzliche Problematik liege in der Kommerzialisierung von Krankenhausleistungen. „Die Coronakrise hat gezeigt, dass die stationäre Versorgung und Krisenplanung nicht kommerziell darstellbar sind“, sagt Ziegler.

„Stationäre Gesundheitsversorgung ist nicht nachhaltig, wenn sich private Anbieter auf lukrative Leistungen spezialisieren dürfen, während die Grundlast im Feld der nicht-kommerziellen Anbieter verbleibt.“ Nicht einzelne Leistungen und Segmente seien zu betrachten, sondern die Gesundheitsversorgung als Gesamtsystem.

„Rosinenpickerei“ konterkariert das Gesundheitssystem

„Das gegenwärtige System ist insofern ineffizient, weil Rosinenpickerei zugelassen wird. Ausbildungslasten, Notdienste, soziale Aspekte sind insgesamt ungleich verteilt.“ Ziegler spricht von einem „insgesamt unlogischen System für einen Bereich der Daseinsvorsorge, in dem kommerzielle Anreize fehl am Platze sind“.

Indes sei die kommunale Trägerschaft von Krankenhäuser ein Garant für die Gesundheitsversorgung der Menschen in der Breite.

a.erb@derneuekaemmerer.de

Info

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