Städte streben vermehrt nach Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft. Als Zero Waste City ist die Stadt Kiel Vorreiterin, andere folgen.

Die Themen Abfallvermeidung und Kreislaufwirtschaft gewinnen in deutschen Kommunen an Gewicht. Nachdem sich die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel dazu aufgemacht hat, zur Zero Waste City zu werden, folgen ihr immer mehr Städte wie München oder Regensburg nach. Eine Zero Waste City ist eine Stadt, die ihr Abfallmanagement zum Ressourcenmanagement wandelt und die pro Einwohner anfallende Abfallmenge möglichst weit reduziert. Die Organisation Zero Waste Europe zertifiziert besonders engagierte Kommunen als offizielle Zero Waste Cities.

Kiel auf dem Weg zur „Zero Waste Certified City“

Ausgehend von einer zivilgesellschaftlichen Initiative hatte der Kieler Stadtrat 2018 die Verwaltung damit beauftragt, ein lokales Zero-Waste-Konzept zu erarbeiten. Damit strebt Kiel als erste deutsche Stadt die Zero-Waste-Zertifzierung an. Bei der Arbeit an dem eigenen Konzept und dessen Umsetzung setzt Kiel auf eine intensive Bürgerbeteiligung. Im November 2020 hat der Stadtrat das Konzept schließlich einstimmig verabschiedet. Im Mai 2021 hat Kiel offiziell den Kandidatenstatus, um als „Zero Waste Certified City“ von Zero Waste Europe zertifiziert zu werden, erreicht.

Das konkrete Ziel der Stadt ist es, die jährliche Gesamtabfallmenge pro Kopf bis 2035 um 15 Prozent zu reduzieren. Die sogenannten Restabfälle, also die Menge der Haus- und Geschäftsabfälle, will die Stadt verglichen mit 2017 halbieren, nämlich auf 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Insgesamt möchte Kiel bis 2050 ein jährliches Restabfallaufkommen von 14.000 Tonnen erreichen. Aktuell liegt dieses bei etwa 42.000 Tonnen. Nach einer städtischen Prognose würde es ohne die Zero-Waste-Maßnahmen bis 2050 auf fast 50.000 Tonnen anwachsen.

Bürgerbeteiligung als „Grundvoraussetzung“

Mit dem Zero-Waste-Konzept setze man „nicht nur auf Einzelmaßnahmen“, unterstreicht der Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Man habe ein „umfassendes, ganzheitliches Konzept zur Abfallvermeidung erarbeitet“. Das umfasst mehr als 100 lokale Maßnahmen zur Abfallvermeidung und -reduzierung sowie zur Förderung der regionalen Kreislaufwirtschaft.

Die Akzeptanz sowohl in der Lokalpolitik als auch in der Bevölkerung beschreibt Kämpfer als einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die Kieler Zero-Waste-Ambitionen. In der Stadt sind viele Akteure im Sinne der Sache aktiv, es hat sich ein Zero-Waste-Verein gegründet. Diese Dynamik sei eine „Grundvoraussetzung für das Projekt Zero Waste“, sagt der Oberbürgermeister.

Wie wichtig der Einbezug der Stadtgesellschaft in das Vorhaben, möglichst abfallfrei zu werden, ist, zeigt etwa eine Initiative, die Kiel bereits 2015 startete. Damals lud die Stadt lokale Händler zu einem „Runden Tisch für ein plastiktütenfreies Kiel“ ein. Daraus wurde ein breiter Konsens unter einer Vielzahl von Gewerbetreibenden, in ihren Geschäften die Herausgabe von Plastiktüten einzudämmen.

Zero Waste City: Kiel findet Nachahmer

Mit ihrem Engagement inspiriert die Stadt Kiel auch andere deutsche Kommunen. Aktuell macht sich unter anderem etwa Regensburg auf den Weg, Zero Waste City zu werden. Genau wie Kiel setzt auch die bayerische Stadt auf eine intensive Bürgerbeteiligung. Vor wenigen Tagen fand zum Auftakt eine Onlineveranstaltung statt, bei der die Stadt über ihr Vorhaben informierte. Regensburg verfolgt dabei ähnliche Ziele wie Kiel: Der Restmüllanteil am Gesamtabfallaufkommen soll auf 50 Kilogramm pro Einwohner und Jahr sinken.

Mit ihren Anstrengungen möchte die Stadt auch im Kontext europäischer Klimaziele dazu beitragen, die Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu gestalten. Denn gerade auf den Bereich der Abfallwirtschaft haben Städte und Kommunale Unternehmen maßgeblichen Einfluss. Regensburg sieht daher für sich eine Verantwortung, für den Erhalt von Ressourcen einzutreten, die Kreislaufwirtschaft zu fördern und die Potentiale aus dem eigenen Abfallaufkommen als „urbane Minen“ zu nutzen, wie es bei der Auftaktveranstaltung hieß.

a.erb@derneuekaemmerer.de

Info

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