Grüne Finanzanlagen sorgen nicht immer für mehr Nachhaltigkeit. Das ist das Ergebnis einer ifo-Studie.

Ernüchterndes Fazit für Kommunen, die im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie auf Green Finance setzen: Grüne Finanzanlagen haben weit weniger Einfluss auf die Investitionen von Unternehmen und Staat als gewünscht. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren der im Oktober erschienenen Analyse „A primer on green finance: From wishful thinking to marginal impact“ der Dresdner Niederlassung des ifo Instituts, des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE und der ESMT Berlin.

Mittelverwendung nicht immer für grüne Zwecke

„Der Grund: Es gibt in Unternehmen und im Staatshaushalt praktisch keine ursächliche Verknüpfung zwischen grünen Finanzierungsinstrumenten und einer Verwendung der Gelder für grüne Zwecke“, sagt Marcel Thum, Leiter der ifo-Niederlassung Dresden, in einer Pressemitteilung. Grüne Anlageprodukte hätten daher nicht unbedingt die positiven Eigenschaften, die Anleger sich von ihnen erhofften, so Thum.

Allein die Emission grüner Aktien bedeute nicht, dass das jeweilige Unternehmen dadurch nachhaltiger wirtschafte. „Wer in grüne Finanzanlagen investiert, macht dadurch zwar sein eigenes Portfolio grüner, aber es ändert sich nichts an den Emissionen der Gesamtwirtschaft“, sagt Jan Pieter Krahnen, SAFE-Direktor und einer der Autoren.

Keine zusätzlichen Mittel zur nachhaltigen Transformation

Auch die Ökobilanz grüner Staatsanleihen lässt zu Wünschen übrig: Der Bund könne in genau der Höhe emittieren, in der vorher grüne Ausgaben im Bundeshaushalt identifiziert wurden, erklären die Studienautoren. Somit ersetze der Bund lediglich konventionelle durch grüne Anleihen, dem Haushalt würden aber keine zusätzlichen Mittel zur nachhaltigen Transformation zugeführt, erklärt ESMT-Präsident Jörg Rocholl. Grüne Staatsanleihen hätten daher keinen direkten Einfluss auf den Klimaschutz.

Um wirksame Mechanismen für nachhaltige Investitionen zu schaffen, fordern die Autoren mit Blick in Richtung Berlin, den Schwerpunkt der Nachhaltigkeitsbemühungen auf einen politischen Regulierungsrahmen zu legen statt auf privates Engagement. Ein Emissionshandelssystem wäre beispielsweise ein geeignetes Mittel, um den Schadstoffausstoß zu verringern und einen machbaren Anpassungspfad in Richtung einer CO2-neutralen Gesellschaft zu erreichen.

v.wilke@derneuekaemmerer.de

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