Sind in der Coronakrise häufig leer: Die Busse des ÖPNV.

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28.04.20
Beteiligungsmanagement

Coronakrise setzt ÖPNV massiv unter Druck

Wegen wegbrechender Einnahmen rechnen kommunale Verkehrsunternehmen mit Milliardeneinbußen. Viele ÖPNV-Anbieter könnten die Coronakrise nicht überleben.

Das Coronavirus hat Busse und Bahnen leergefegt. Das kommt Kommunen und ihre Verkehrsbetriebe teuer zu stehen: Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) beziffert den voraussichtlichen Verlust allein in diesem Jahr auf bis zu 7 Milliarden Euro – je nachdem wie lange der Shutdown andauert.

Die Landesverkehrsminister Hendrik Wüst (CDU, NRW) und Winfried Hermann (Grüne, Baden-Württemberg) haben sich deshalb nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA in einem Papier an die Bundesregierung gewandt. Sie fordern eine stärkere Unterstützung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

„Wir brauchen für die Verkehrsunternehmen dringend einen großen Rettungsschirm“, sagt etwa Grünen-Politiker Hermann. Die öffentliche Förderung müsse insbesondere für kommunale Betriebe von Bussen und Straßenbahnen ausgeweitet werden. Viele kleine und mittlere Verkehrsunternehmen würden die Coronakrise wegen der wegbrechenden Fahrgeldeinnahmen sonst nicht überleben.

ÖPNV: 80 Prozent weniger Fahrgäste im März

Denn momentan nutzen kaum noch Bürger öffentliche Verkehrsmittel: Wegen der Coronakrise seien im März rund 80 Prozent weniger Fahrgäste unterwegs gewesen. Rund 1 Milliarde Euro nehme der öffentliche Nahverkehr deutschlandweit normalerweise pro Monat durch den Fahrkartenverkauf ein, heißt es in dem gemeinsamen Papier.

Trotz des deutlichen Rückgangs werde erwartet, dass die Verkehrsbetriebe das gewohnte Angebot aufrechterhalten – die Kosten bleiben entsprechend hoch. Teilweise sind die Ausgaben sogar höher, weil die Betreiber ihren Kunden ermöglichen müssen, das Distanzgebot einzuhalten. Reinigung, Gesundheitsschutz und eine höhere Fahrzeugzahl schlagen hier zusätzlich zu Buche.

Der Kosteneffekt könnte durchaus langfristiger Natur sein. Da auch nach dem Ende des Shutdowns viele Menschen Busse und Bahnen aus Angst vor einer Infektion zunächst meiden könnten, rechnen Wüst und Hermann damit, dass die Auslastung der Verkehrsmittel auch auf lange Sicht nicht das Vorkrisenniveau erreichen wird.

Müssen Kommunen das ÖPNV-Angebot kürzen?

Auch nach Einschätzung des VDV ist ein Rettungsschirm für Bus und Bahn unausweichlich. Wenn es keine Kompensation für die wegbrechenden Fahrgeldeinnahmen gebe, „müsste das Bus- und Bahnangebot bald gekürzt werden“, sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. Und das, obwohl die Verkehrsgesellschaften angesichts der kommenden Schul- und Geschäftsöffnungen wieder mehr fahren müssten.

„Die öffentliche Mobilität ist in akuter Gefahr“, warnt die Gewerkschaft Verdi. „Kommunale Ausgleichszahlungen dürfen nicht gekürzt werden. Dabei dürfen die Kommunen in dieser Krise nicht allein gelassen werden, Bund und Länder müssen einspringen.“

„Bund und Länder müssen einspringen.“

Gewerkschaft Verdi

Die Verkehrsminister Wüst und Hermann schlagen dem Bund vor, die Mittel für den öffentlichen Nahverkehr über das sogenannte Regionalisierungsgesetz aufzustocken. Wenn die Regionalisierungsmittel vorübergehend erhöht würden, könnten die Hilfen bedarfsgerecht verteilt werden, so Wüst. „Der Bund darf sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen“, zitiert ihn die DPA.

alexandra.jarchau(*)frankfurt-bm(.)com

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