Studie zum Frauenanteil in kommunalen Unternehmen

13.07.18 11:04

Frauen nur selten an der Spitze kommunaler Unternehmen

Von Ariane Mohl

Die Führungsetagen kommunaler Ebenen sind häufig Männerdomänen, zeigt eine aktuelle Studie. Allerdings gibt es beim Frauenanteil große Unterschiede zwischen Regionen und Branchen. In der Privatwirtschaft haben Frauen es offenbar noch schwerer.

Weibliche Führungskräfte sind in vielen kommunalen Unternehmen weiterhin eine Ausnahmeerscheinung. Nach einer aktuellen Untersuchung der Zeppelin Universität Friedrichshafen lag der Anteil von Frauen in Top-Positionen im Schnitt bei 18 Prozent. Ausgewertet wurden die Daten von 69 Städten und 1529 öffentlichen Unternehmen in ganz Deutschland.

 

Aus der Studie geht hervor, dass es beim Frauenanteil große regionale Unterschiede gibt. Im Bundesländervergleich gibt es in Nordrhein-Westfalen (11 Prozent), Rheinland-Pfalz (8,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (7,8 Prozent) sehr viel weniger Frauen in Führungspositionen kommunaler Unternehmen als in Berlin (31,5 Prozent), Bremen und Mecklenburg-Vorpommern (je 24 Prozent) und Thüringen (23,5 Prozent).

 

Bei den Städten mit mehr als zehn kommunalen Unternehmen gibt es laut Studie in Offenbach am Main (60,7 Prozent), Gera und Greifswald (je 37,5 Prozent) sowie Gotha (36,4 Prozent), Rostock (34,3 Prozent), Kassel und Plauen (33,3 Prozent) vergleichsweise viele Frauen in Führungspositionen. Wie das Forscherteam einschränkend hinzufügt, muss im Fall einiger Kommunen allerdings beachtet werden, dass einige Frauen in Top-Positionen gleich mehrere Führungspositionen haben. Auf einen Frauenanteil von weniger als 5 Prozent kommen hingegen Kaiserslautern, Essen, Neumünster, Lübeck und Braunschweig.

Stadtwerke und ÖPNV bleiben Männerdomänen

Interessant ist auch der Branchenvergleich. Während weibliche Führungskräfte beispielsweise bei den Stadtwerken, der Abfall- und Entsorgungswirtschaft oder im ÖPNV mit maximal 5 Prozent deutlich unterrepräsentiert sind, liegt der Frauenanteil in den Bereichen „Kultur“ (22,2 Prozent), „Gesundheit und Soziales“ (32,3 Prozent) und „Krankenhäuser“ (26,5 Prozent) um einiges höher.

 

Vergleicht man die kommunalen Unternehmen mit der Privatwirtschaft, stellt man fest, dass die dortigen Führungspositionen fast ausschließlich in Männerhand sind. Laut einer Studie der Beratungsunternehmens EY ist der Frauenanteil bei 160 börsennotierten Unternehmen mit 7,8 Prozent noch einmal deutlich niedriger als im kommunalen Bereich.

 

Studienautor Ulf Papenfuß spricht sich mit Blick auf die Zahlen dafür aus, dass öffentliche Unternehmen genauso wie börsennotierte Unternehmen dazu verpflichtet werden sollten, im Lagebericht als Bestandteil des Jahresabschlusses über den Frauenanteil auf verschiedenen Führungsebenen zu informieren. Zudem sollten Zielgrößen festgelegt werden.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de