Hier landen immer noch zu viele Bioabfälle: in der Restmülltonne.

Bruno Giuliani/iStock/Getty Images

13.08.20
Beteiligungsmanagement

Kreislaufwirtschaft: der falsche Restmüll

Die Deutschen werfen nur noch halb so viel Abfall in die Restmülltonne wie vor einem Dritteljahrhundert. Die Coronakrise könnte diesen Erfolg allerdings wieder zunichtemachen.

In den vergangenen 35 Jahren haben die Deutschen ihren Restmüll fast um die Hälfte reduziert. Wie das Bundesumweltministerium (BMU) in einer aktuellen Analyse von Siedlungsabfällen feststellte, fielen im Jahr 2018 durchschnittlich 128 Kilogramm Restmüll pro Einwohner an – rund 46 Prozent weniger als noch 1985 (239 Kg).

Während früher alles in eine Tonne wanderte, trennen Verbraucher demnach heute häufiger Wertstoffe wie Glas, Papier und Plastik. Ermöglicht habe dies die kommunale Abfallwirtschaft, die die Getrenntsammlung seit Jahrzehnten ausbaue und bei Bürgern beständig für Abfalltrennung werbe, teilt hierzu der Verband Kommunaler Unternehmen mit.

Dabei spielt auch der Kostenfaktor eine Rolle: Denn je besser die Wertstoffe getrennt werden, desto mehr kann ein kommunales Abfallwirtschaftsunternehmen hiervon verkaufen. Papier, Glas und Elektroschrott können etwa gewinnbringend veräußert werden.

Keine Kreislaufwirtschaft beim Restmüll

Der Restmüll bleibt bei vielen Verbrauchern allerdings eine Blackbox. Denn offenbar wandert in die schwarze Tonne weiterhin vieles, was dort nicht hinein gehört. Laut der Studie des BMU besteht der Restmüll durchschnittlich zu mehr als einem Drittel (39 Prozent) aus Bioabfällen.

Ein weiteres Drittel machen sogenannte trockene Wertstoffe aus (27 Prozent). Dazu zählen etwa Altpapier, Altglas und Kunststoffe, aber auch Textilien und Elektrogeräte. Nur 32 Prozent dessen, was tatsächlich im Restmüll lande, gehöre auch in die Restmülltonne, teilt das BMU mit.

„Das Problem ist, dass der Restabfall nach der Erfassung nicht mehr sortiert wird.“

Anna Ephan, Remondis

„Das Problem ist, dass der Restabfall nach der Erfassung nicht mehr sortiert wird“, sagt Anna Ephan vom Recycling-Dienstleister Remondis. Dieser könne lediglich energetisch verwertet werden.

„Wenn Gegenstände wie Elektroaltgeräte oder biologische Abfälle im Restmüll landen, sind das verlorene Wertstoffe“, so Ephan. Dabei habe gerade Bioabfall großes Potenzial für den Umwelt- und Klimaschutz: Mithilfe von Vergärungsanlagen könne etwa grüne Energie geschaffen werden.

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Altkleider werden zu Abfall

Ein weiterer Bestandteil der Restmülltonne könnte jetzt Kleidung werden. Denn in einigen Kommunen, etwa in Brandenburg und Schleswig-Holstein, werden derzeit Altkleidercontainer abgebaut. 

„Die Alttextilbranche ist momentan stark durch die Coronakrise geprägt“, sagt Ephan von Remondis. Denn in den meisten Fällen würden die Altkleider ins Ausland exportiert werden. Nicht zuletzt durch die Ausbreitung des Coronavirus ist dieser Markt allerdings zusammengebrochen. 

„Die Coronakrise hat eine Branche kollabieren lassen, die sich schon seit Jahren in der Krise befand“, teilt auch der Bürgerservice aus dem Kreis Pinneberg in Schleswig-Holstein mit. Alttextilien müssten jetzt als Restmüll entsorgt und anschließend verbrannt werden. 

Zur Altkleiderkrise würden neben dem Coronavirus auch ein Anstieg der Menge an gekaufter Kleidung und deren Qualitätsverlust beitragen, so der Bürgerservice. Da die so genannte Fast-Fashion-Mode in erster Linie aus chemischen Kunstfasern bestünde, sei sie nicht sinnvoll recycelbar. 

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Statistik zu Siedlungsabfällen entwickelt, wenn diese Kleidung von nun an offiziell als Restmüll deklariert wird.

alexandra.jarchau(*)frankfurt-bm(.)com

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Die vollständigen Analyse von Siedlungsabfällen des Bundesumweltministeriums finden Sie hier