Deutsche Wohnen

08.04.19
Beteiligungsmanagement

Mieten bei privaten Vermietern steigen am stärksten

Die Mieten privater Eigentümer steigen schneller als die der Genossenschaften und kommunalen Unternehmen, zeigt eine aktuelle Studie. Enteignungen erteilen die Autoren dennoch eine klare Absage. Davon würden ausgerechnet Gutverdiener profitieren.

Bei privaten Eigentümern und Wohnungsunternehmen sind die Mieten seit 2012 stärker gestiegen als bei kommunalen Eigentümern und Genossenschaften. „Private Vermieter reagiere stärker auf die anhaltende Wohnungsknappheit und die daraus resultierende stärkere Konkurrenz um Wohnungen“, heißt es dazu in der Studie „Mieten, Modernisierungen und Mieterstruktur – Vermietergruppen in Großstädten im Vergleich“, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) veröffentlicht hat.

Die Forscher haben auf der Grundlage der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) die Wohnsituation in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern unter die Lupe genommen. Dabei haben sie auch herausgefunden, dass es bei dem von den Mietern wahrgenommenen Renovierungsbedarf keine nennenswerten Unterschiede zwischen kommunalen, privaten und genossenschaftlichen Wohnungen gibt. Auch mit Blick auf die Zufriedenheit der Mieter sowie die Zahl der Modernisierungen liegen die verschiedenen Vermietertypen demnach eng beieinander.

Fehlende Einnahmen machen sich bemerkbar

Fundamentalkritik am Gebaren der privaten Vermieter übt die Studie dennoch nicht. So müsse man sich auch klarmachen, „dass durch die geringen Mietsteigerungen bei kommunalen Wohnungen dem Staat Einnahmen entgehen“, gibt IW-Immobilienökonom Michael Voigtländer zu bedenken. „Dieses Geld könnte bei der Finanzierung von Infrastruktur fehlen.“ So gaben laut Studie immerhin 10 Prozent der Mieter, die in einer kommunalen Wohnung leben, an, dass ihre vier Wände komplett renovierungsbedürftig seien.

Die Autoren der Studie äußern sich auch zu der aktuellen politischen Diskussion über Mietpreisbremsen und Enteignungen großer privater Wohnungsunternehmen. Von weniger schnell steigenden Mieten würden demnach vor allem Gutverdienerhaushalte profitieren. Von Enteignungen raten die Forscher dringend ab. Diese seien nicht nur ökonomisch „äußerst fragwürdig“, „sondern würden auch vielen Mietern helfen, die diese Hilfe gar nicht brauchen“.

Nahles erteilt Enteignungen eine Absage

Auch SPD-Chefin Andrea Nahles hat Enteignungen, wie sie etwa die Initiatoren eines kürzlich gestarteten Berliner Volksbegehrens fordern, inzwischen eine klare Absage erteilt. Die Wut auf „Wohnungskonzerne, die jeden Cent aus den Mietern rauspressen wollen“, sei verständlich. „Aber Enteignung dauert Jahre und schafft keine einzige Wohnung“, sagte sie der Bild am Sonntag. Ein „Mietenstopp“ und der Bau zusätzlicher Sozialwohnungen sei der bessere Ansatz.

Zuvor hatte Grünen-Chef Robert Habeck in der Welt am Sonntag Enteignungen privater Eigentümer, die weder bauen, noch an die Stadt verkaufen wollen, nicht ausgeschlossen.

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de

 

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