19.04.16
Haushalt

Hamm: Was kostet ein Flüchtling?

Gemeinsam mit der FH Münster ist der Kämmerer von Hamm der Frage nachgegangen, wie teuer die Flüchtlingskrise die Stadt zu stehen kommt. Die Berechnung hilft Kämmerer Kreuz bei der Haushaltsplanung.

13.980 Euro gibt die Stadt Hamm pro Flüchtling und Jahr aus. Abzüglich der Erstattung in Höhe von rund 12.360 Euro, die die Kommune pro Flüchtling pro Jahr von Bund und Land erhält, muss die Stadt pro Person und Jahr rund 1.620 Euro aus eigener Tasche zuschießen. Das hat ein Team der Fachhochschule Münster und der Stadt Hamm ausgerechnet.

 

Für die Grundversorgung, also die Unterbringung, medizinische Versorgung und Verköstigung, fallen demnach Kosten in Höhe von 11.680 Euro pro Person und Jahr an. Hinzu kommen 1.300 Euro für Schule, Kita und Jugendhilfe und 1.000 Euro Integrationskosten. „Wir hatten mit mehr gerechnet“, sagt Hamms Stadtkämmerer Markus Kreuz (CDU).

 

Hamm ist Stärkungspakt-Gemeinde. „Das bedeutet, dass wir 2016 den Haushaltsausgleich schaffen müssen. Nicht zuletzt deshalb, muss ich als Kämmerer frühzeitig wissen, welches Risiko ich in meinem Haushalt habe“, erläutert Kreuz gegenüber DNK den Hintergrund des Projekts.

Flüchtlingsunterbringung: Andere Kommunen zahlen mehr drauf

Nach Einschätzung von Kreuz ist die Modellrechnung grundsätzlich auch auf andere Kommunen übertragbar. Nur bei den Unterbringungskosten gebe es große Unterschiede. „In Hamm haben wir 57 Prozent der Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht – und das zu einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 5,50 Euro. Davon können viele andere Kommunen nur träumen“, sagt der Stadtkämmerer. Berechnungen hätten gezeigt, dass die Unterbringung in Wohnheimen oder Zelt- und Containerstädten die Kommunen sehr viel teurer zu stehen kommen. „Hinter solchen Massenunterkünften steht ein Riesenapparat. Sie benötigen eine eigene Mensa, müssen unter Umständen einen Wachdienst beauftragen und haben Wartungskosten in erheblicher Höhe.“ Abgesehen davon sei die Unterbringung in Wohnungen auch mit Blick auf die Integration der Flüchtlinge der bessere Weg.

 

Kreuz fordert vor diesem Hintergrund eine volle Erstattung der kommunalen Flüchtlingskosten durch Bund und Land.

 

Nach Angaben des Stadtkämmerers lebten zum maßgeblichen Stichtag für die Berechnung (31.12.2015) insgesamt 3.412 Flüchtlinge in Hamm - darunter 1.912 fest der Stadt zugewiesene Personen und rund 1.500 Menschen in Einrichtungen des Landes, die direkt vom Land bezahlt werden und somit in der Vollkostenrechnung nicht berücksichtigt wurden.

 

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de