Die Städte und Regionen in Deutschland sind ganz unterschiedlich von den Corona-Auswirkungen betroffen, unterstreicht eine aktuelle Studie.

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27.04.20
Haushalt

So hart trifft Corona die einzelnen Bundesländer

Die Coronakrise beeinflusst die Regionen in Deutschland auf unterschiedliche Weise. Eine aktuelle Studie zeigt, welche Auswirkungen die derzeitigen Beschränkungen des öffentlichen Lebens auf die Regionen haben. Das müsse auch bei etwaigen Lockerungen berücksichtigt werden.

Es gibt derzeit keinen Bereich der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens, der nicht mit den Auswirkungen der Coronakrise konfrontiert ist. Das untermauert auch eine Studie des Wirtschaftsforschungs- und Beratungsunternehmens Prognos über „Die Auswirkungen des Lockdown auf die regionale Wirtschaft“. In einer Betroffenheitslandkarte zeigt sie 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland.

Laut den Studienautoren unterscheidet sich die Betroffenheit dennoch erheblich nach Branchen und somit wiederum nach Regionen. Trotz aller Verschiedenheit gibt es ein „übergreifendes Muster“. Generell seien weite Teile des Dienstleistungssektors relativ „krisenfest“, während das verarbeitende Gewerbe insgesamt stärker betroffen sei. Als „vergleichsweise stabil“ bezeichnet die Studie die öffentliche Verwaltung, Erziehungs- und Unterrichtsleistungen sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.

Tatsächliche Betroffenheit vermutlich größer

Insgesamt erfasst sind in der Studie alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aber keine Beamte, Selbstständige und geringfügig Beschäftigte. Von den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ordnet sie 12,9 Millionen eine niedrige Betroffenheit, 13 Millionen eine mittlere Betroffenheit und 7,5 Millionen Beschäftigten eine hohe Betroffenheit zu. Da nicht alle Beschäftigten in der Studie berücksichtigt werden, dürfte die tatsächliche Betroffenheit noch weitaus größer sein.

Die regionale Betroffenheit der Bundesländer, Kreise und kreisfreien Städte schwankt laut Studienergebnis erheblich. Während in Deutschland im Durchschnitt rund 22 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigter einer Tätigkeit in Branchen mit hoher Betroffenheit nachgehen, gibt es zwischen den Bundesländern deutliche Unterschiede. In erhöhtem Maß sind demnach Bundesländer wie Baden-Württemberg, Bayern, Saarland, und Rheinland-Pfalz betroffen. Zurückzuführen sei dies unter anderem auf ein starkes Gewicht der „Vorleistungen und Investitionsgüter“ (Metall- und Elektroindustrie, Chemische Industrie, Maschinenbau, Fahrzeugbau). In Ostdeutschland besitzen Thüringen und Sachsen einen überdurchschnittlichen Beschäftigtenanteil in Branchen mit hoher Betroffenheit.

Stadtstaaten vergleichsweise schwächer betroffen

Vergleichsweise schwächer seien Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg aber auch Länder wie Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Brandenburg betroffen. Die Autoren der Studie machen allerdings auch darauf aufmerksam, dass dies nicht darüber hinwegtäuschen dürfe, dass auch in diesen Bundesländern hochbetroffene Branchen wie Tourismus und Gastgewerbe eine große Bedeutung haben. In Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg seien beispielsweise Messen und Veranstaltungen sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft besonders betroffen.

Das insgesamt sehr heterogene Bild der regionalen Betroffenheit zeigt laut Studie, dass eine wirkungsvolle Strategie zur Lockerung der Maßnahmen immer an die regionalen Gegebenheiten angepasst sein muss. Die Studienautoren weisen in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf den Aufbau der regionalen Gesundheitsversorgung, die Leistungsfähigkeit der digitalen Infrastruktur sowie Stabilität und Robustheit von Lieferketten hin. Sie „werden in allen Bundesländern und Regionen wichtige Zukunftsaufgaben für Wirtschaft und Gesellschaft darstellen“.

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

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