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28.05.18
Haushalt

Studie: Kita-Beiträge belasten arme Familien

Wer eh schon wenig Geld hat, muss vielerorts überproportional viel für die Kita-Betreuung ausgeben, belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Von einer generellen Beitragsfreiheit halten die Autoren dennoch wenig – und machen einen Gegenvorschlag.

Einkommensschwache Familien werden durch Kita-Beiträge überproportional stark belastet. So müssen Haushalte unterhalb der Armutsrisikogrenze einen fast doppelt so hohen Anteil ihres Einkommens für die Kita-Unterbringung aufbringen, wie Haushalte, denen es finanziell gut geht. Das ist das Ergebnis der von der Bertelsmann Stiftung herausgegebenen Studie „ElternZoom 2018“.

 

An dem Ungleichgewicht ändert sich laut Studie selbst dann nichts, wenn eine Sozialstaffel greift. Demnach zahlen Eltern, denen weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung stehen, im Schnitt zehn Prozent ihres Einkommens für den Kita-Besuch ihres Kindes. Eltern oberhalb der Armutsgrenze werden hingegen nur mit fünf Prozent ihres Einkommens belastetet.

Belastung hängt vom Wohnort ab

Darüber hinaus zeigt die Studie, wie groß die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind. Während es in Berlin eine weitgehende Beitragsfreiheit gibt, werden Eltern in Schleswig-Holstein mit 9 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens zur Kasse gebeten.

 

Einen Zusammenhang zwischen hohen Kita-Beiträgen und der Betreuungsqualität gibt es offenbar nicht. So müssen Eltern in Mecklenburg-Vorpommern mehr als acht Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Kita-Unterbringung aufwenden. Gleichzeitig liegt die Qualität der Betreuung – nimmt man den Personalschlüssel als Maßstab – laut Studie deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

 

Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, plädiert mit Blick auf die Studienergebnisse dafür, die Kita-Beiträge bundesweit einheitlich zu bemessen. In die Berechnung der Beiträge sollte nur der Teil des Einkommens einfließen, der oberhalb der Armutsrisikogrenze liegt. Arme Familien sollen nach dem Willen von Dräger gar nicht für die Kita-Unterbringung ihrer Kinder zur Kasse gebeten werden.

Qualitätsverlust durch Beitragsfreiheit?

Einer generellen Beitragsfreiheit stehen die Macher der Studie hingegen skeptisch gegenüber. „Bei der Kita-Finanzierung klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander“, betont Dräger. Beitragsfreiheit und Qualitätsausbau in den Kitas würden nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung mit insgesamt 15,3 Milliarden Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Der Bund habe allerdings für die komplette Legislaturperiode gerade mal 3,5 Milliarden Euro zugesagt. „Dem politischen Versprechen der Beitragsfreiheit fehlt die finanzielle Substanz“, sagt Dräger. Es sei zu befürchten, dass die Qualität auf der Strecke bleibe. Dabei sei genau die vielen Eltern so wichtig, dass sie sogar bereit seien, mehr Geld in eine gute Betreuung ihres Nachwuchses zu investieren.

 

Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer, des Deutschen Städtetages, wies in einer ersten Reaktion auf die Studie darauf hin, dass sich die Städte in einem „Zielkonflikt“ befänden. Sie müssten in den Ausbau der Betreuungsangebote investieren, seien aber natürlich auch an einer besseren Qualität in den Kitas interessiert. Der Spielraum für eine Entlastung der Eltern sei daher aus Sicht der Kommunen begrenzt. „Die entscheidende Frage wird sein, wie wir sicherstellen können, dass öffentliche Mittel des Bundes, die für eine Befreiung von Beiträgen eingesetzt werden, nicht beim weiteren Ausbau und bei der Verbesserung der Qualität fehlen. Es wird daher darauf ankommen, ob Bund und Länder bereit sind, solche Einnahmeausfälle der Städte zum großen Teil zu übernehmen und gleichzeitig mehr Geld für eine bessere Qualität auszugeben.“

"Vollkasko-Mentalität" führt zu neuen Problemen

Noch deutlicher wurde Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Er forderte die Bundesregierung in der Neuen Osnabrücker Zeitung auf, unverzüglich "mehr Geld ins System zu pumpen". Generell solle der Bund Eltern nicht immer neue Versprechungen machen, die er am Ende nicht halten könne. Die Kommunen bzw. die Kita-Träger hätten aktuell genug damit zu tun, ausreichend Kita-Plätze bereitzustellen. Mit einer "Vollkasko-Mentalität" seien die Probleme in diesem Bereich nicht zu lösen, fügte Landsberg mit Blick auf die geplante Kita-Beitragsfreiheit hinzu.


a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de