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Mehr Spielraum für Kommunen mit Anleihe und Schuldschein

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Kommunen stehen vor einer zentralen Herausforderung: steigende Investitionsbedarfe bei begrenzten Haushaltsmitteln. Ob Schulbau, Digitalisierung, Verkehrsinfrastruktur oder Klimaschutz – die Projekte sind vielfältig und oft langfristig. Neben Fördermitteln und zweckgebundenen Zuschüssen verfügen kommunale Haushalte über ein breites Spektrum an Finanzierungsinstrumenten. Das klassische Kommunaldarlehen bildet dabei die Grundlage – es ist seit Jahrzehnten etabliert, stabil und unkompliziert in der Abwicklung. Doch um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, ist es sinnvoll, dieses Spektrum gezielt zu erweitern – insbesondere um Schuldscheindarlehen (SSD) und Kommunalanleihen.

SSD: überschaubarer Aufwand

Das Schuldscheindarlehen ist ein Kredit, bei dem ein Unternehmen ein Darlehen von institutionellen Anlegern wie Banken oder Versicherungen erhält, das in einem schriftlichen Schuldschein als Beweisurkunde festgehalten und über eine Bank emittiert wird. Für Kommunen bietet es entscheidende Vorteile: Laufzeiten, Volumen und Stückelungen können individuell vereinbart werden, ein Emissionsprospekt ist nicht erforderlich und ein öffentliches Rating meist verzichtbar.

Für Kommunen bietet das SSD eine diskrete und passgenaue Finanzierungsmöglichkeit – insbesondere für mittlere bis große Investitionsvorhaben. Die Dokumentation ist standardisiert, der Aufwand überschaubar. Die Stückelung erlaubt die Beteiligung mehrerer Investoren, was zur Risikostreuung beiträgt. Auch nachhaltige Varianten – etwa grüne oder soziale Schuldscheindarlehen – gewinnen zunehmend an Bedeutung und ermöglichen die gezielte Finanzierung von Projekten mit Umwelt- oder Sozialwirkung.

Die Stärke der Anleihe

Im Gegensatz zum SSD wird die Kommunalanleihe öffentlich über den Kapitalmarkt platziert. Sie ist ein Wertpapier mit festem Zinssatz und fester Laufzeit, handelbar über Börsen. Die Emission erfordert mehr Aufwand, etwa die Erstellung einer umfangreicheren Anleihedokumentation, bietet dafür aber eine hohe Sichtbarkeit und Zugang zu einem breiten Investorenkreis.

Kommunalanleihen eignen sich besonders für größere Volumen und Projekte mit hoher öffentlicher Relevanz. Sie können auch für Privatinvestoren geöffnet werden, was die Bürgerbeteiligung stärkt und die lokale Identifikation mit kommunalen Projekten erhöht. Auch hier sind nachhaltige Strukturen möglich – etwa durch die Emission von Green Bonds oder Social Bonds, die gezielt ökologische oder soziale Projekte finanzieren und mit entsprechenden Wirkungsnachweisen verbunden sind. Das steigert die Attraktivität bei Investoren und unterstützt die kommunale Nachhaltigkeitsagenda.

Der Mix in Dortmund

Die Stadt Dortmund zeigt, wie sich die genannten Instrumente sinnvoll kombinieren lassen. Im März 2025 begab die Stadt ihre bislang jüngste Kommunalanleihe mit einem Volumen von 150 Millionen Euro bei einer Laufzeit von sieben Jahren. Der Emissionserlös wurde in Höhe von 100 Millionen Euro zur Finanzierung von Investitionen und in Höhe von 50 Millionen Euro zur langfristigen Umschuldung von Liquiditätskrediten eingesetzt. Die Anleihe wurde so strukturiert, dass auch Privatinvestoren über den Sekundärmarkt – im Fall von Dortmund über die Börse Düsseldorf – ab 1.000 Euro investieren können. Ein Schritt, der die Bürgerbeteiligung stärken und die lokale Identifikation mit städtischen Projekten fördern kann.

Parallel dazu nutzt Dortmund Schuldscheindarlehenzur Finanzierung von Investitionsvorhaben, aber auch zur Liquiditätssicherung. Die SSD-Emissionen erfolgen zielgerichtet über institutionelle Investoren.

Basis des Finanzierungsportfolios der Stadt Dortmund stellen jedoch auch weiterhin klassische Kommunaldarlehen dar, die ohne konkrete Zweckbindung auch zur Finanzierung einer Vielzahl kleinerer unterschiedlicher Investitionsmaßnahmen genutzt werden können, sowie zweckgebundene Förderkredite, die regelmäßig mit besonders attraktiven Zinssätzen versehen sind.

Zukunftsfähige Finanzierung durch Diversifikation

Die Kombination der Instrumente ermöglicht eine strategische Diversifikation der Finanzierungsquellen und eine passgenaue Abstimmung auf Projektlaufzeiten und Haushaltszyklen. So konnte beispielsweise durch die Kombination eines endfälligen Schuldscheindarlehens mit einem klassischen Kommunaldarlehen eine passende Tilgungsstruktur geschaffen und gleichzeitig von einem attraktiven Zinsumfeld profitiert werden. Dortmund zeigt damit exemplarisch, wie eine Kommune durch den gezielten Einsatz verschiedener Instrumente ihre Finanzierung robust und zukunftsfähig gestalten kann.

Die Kombination aus Kommunaldarlehen, Schuldscheindarlehen und Anleihen bietet Kommunen die nötige Flexibilität, Sichtbarkeit und Stabilität, um gerade Investitionen bedarfsgerecht zu finanzieren. Sie eröffnet zugleich den Zugang zum Kapitalmarkt – und damit die Chance, neue Investorenkreise zu erschließen und Finanzierung strategisch zu gestalten. Wer heute diversifiziert, sichert die Finanzierung von morgen und gestaltet aktiv die Zukunft seiner Kommune.

Nicole.Silberhorn@unicredit.de

Info

Nicole Silberhorn ist Leiterin Public Sector Deutschland, Thomas Fuchs ist Director DCM Public Sector Origination Deutschland bei der UniCredit Bank GmbH.

Dieser Beitrag ist zuerst in der aktuellen Ausgabe 4/2025 von Der Neue Kämmerer erschienen.
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