Die Amtszeit von Frankfurts Kämmerer und Bürgermeister ist vorbei. In den vergangenen Jahrzehnten hat Uwe Becker „seine“ Stadt gestalten können. Auch künftig will er dazu beitragen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

„Es zu schaffen, dass Frankfurt die schönste Stadt im Land bleibt. Wirtschaftlich stark und sozial zugleich.“ Dieses Ziel, sagt Uwe Becker, habe ihn in den Jahren seiner Amtszeit als Kämmerer und Bürgermeister der Stadt Frankfurt am Main angetrieben. Am 8. September erfolgte seine zweite Abwahl im Römer. Laut Hessischer Gemeindeordnung müssen Stadtverordnete zweimal abgewählt werden, die erste Abwahl ging am 15. Juli über die Bühne.

Seit April 2007 war Becker Kämmerer, seit Juli 2016 zudem Bürgermeister. Insgesamt war der gelernte Bankkaufmann seit rund 30 Jahren im Römer aktiv. Für ihn seien seine Ämter stets mehr Berufung als Beruf gewesen, sagt Becker. „Schon etwas überraschend“ kam für den gebürtigen Frankfurter das jähe Ende seiner Zeit als Bürgermeister und Kämmerer der Mainmetropole.

Kommunalwahl: überraschendes Ergebnis

Denn mit dem Ergebnis bei der Kommunalwahl im März hatte der CDU-Politiker Becker nicht gerechnet. Vor allem das Zusammenfinden der jetzt gebildeten Koalition aus Grünen, SPD, FDP und Volt kam für ihn unerwartet. Die Zusammenarbeit mit den Grünen habe in den vergangenen 15 Jahren stets gut funktioniert. „Wenn man sich auf eine Partei im Römer verlassen konnte, dann waren es die Grünen“, resümiert er. Teilweise erklärt er sich den deutlichen Vorsprung der Grünen damit, dass die Partei in den vergangenen Jahren ein rasantes Mitgliederwachstum hingelegt habe.

Ab dem 8. September um 24 Uhr hat für Becker eine neue Zeit begonnen. Diese will der Vater von Zwillingen nutzen, um sich verstärkt um seine Familie zu kümmern. Zudem bleibt er Beauftragter der Hessischen Landesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. „Ich werde dann häufiger in meinem Büro in Wiesbaden sein“, sagt er. Auch will er endlich die hebräische Sprache richtig erlernen. Weitere Karriereschritte stünden bisher noch nicht fest.

Kämmerer Uwe Becker hielt Kurs

Bislang konnte er nicht über ein Zuwenig an Aufgaben klagen. Sein Dienst für die Stadt Frankfurt fiel mit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 und der Coronapandemie in herausforderndes Fahrwasser für einen Kämmerer. „In beiden Krisen mussten wir sehr frühzeitig schauen, dass wir handlungsfähig bleiben“, sagt er. Rückblickend sei es gelungen, das Schiff auf Kurs zu halten. „Frankfurt hat keine Schlagseite bekommen“, fasst Becker zusammen. Dieses Jahr läuft es finanziell gesehen für Frankfurt mit Beckers Worten auch wieder „ganz ordentlich“. Nachdem die Stadt 2020 ein Corona-bedingtes Minus von 600 Millionen Euro bei der Gewerbesteuer hinnehmen musste, ist Becker für das laufende Jahr eher vorsichtig optimistisch gestimmt.

Doch es galt in Beckers Zeit als Kämmerer nicht nur Krisen zu meistern. In den vergangenen 14 Jahren ist die Stadt um über 100.000 Einwohner gewachsen. Da musste die Infrastruktur Schritt halten, etwa mit Blick auf den öffentlichen Wohnungsbau oder den ÖPNV. Mit der neuen Altstadt konnte in Beckers Amtszeit zudem das bauliche Zentrum Frankfurts wieder hergestellt werden. Bald wird der erste Spatenstich für die neue Jüdische Akademie, einen Think-Tank, erfolgen – für Becker als Antisemitismusbeauftragter ebenso ein Herzensthema wie, den gesellschaftlichen Zusammenhalt insgesamt zu wahren.

„Ich hatte unglaublich viele persönlich bereichernde Erfahrungen und Begegnungen während meiner Zeit im Römer“, fasst Becker seine berufliche Laufbahn in Frankfurt zusammen. Haltung und Mitmenschlichkeit hätten ihn angetrieben. In einer Zeit, in der die Individualisierung um sich greife, gelte es umso mehr, die Gesellschaft in Vielfalt wertzuschätzen.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

Der Artikel ist zuerst in der Ausgabe 3/2021 der Zeitung Der Neue Kämmerer erschienen. Uwe Becker wird der Kämmerer-Welt weiterhin als Fachbeiratsmitglied dieser Zeitung erhalten bleiben.

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