Alternative Finanzierung in Offenbach

20.06.14 10:45

Offenbach platziert 140 Millionen Euro schweren Schuldschein

Von Tobias Schmidt

Die Stadt Offenbach hat mit einem Schuldschein 140 Millionen Euro bei einem süddeutschen Versorgungswerk eingesammelt. Mit dem Geld will die Stadt Kassenkredite ablösen und sich gegen steigende Zinsen absichern. Dafür nahm sie einen „strategischen Preis“ in Kauf.

Seit dem heutigen Freitag ist es amtlich: Die hessische Großstadt Offenbach am Main hat in einem nicht-öffentlichen Verfahren einen 140 Millionen Euro schweren Schuldschein bei einem institutionellen Investor platziert. Damit will sie einen großen Teil ihrer 600 Millionen Euro schweren Kassenkredite ablösen. Die Laufzeit liegt bei 10 Jahren, das Papier ist endfällig. Das Motiv hinter der Platzierung ist Absicherung. Dabei geht es zum einen um das Kommunalkreditangebot und zum anderen um die Zinsentwicklung.

 

„Diskussionen um Bankenregulierung, Basel III und um eine mögliche Eigenkapitalunterlegungspflicht für öffentliche Schulden machen sich in Form eines rückläufigen Kreditangebots bemerkbar“, sagte Offenbachs Oberbürgermeister und Stadtkämmerer Horst Schneider gegenüber DNK. „Selbst die eigene Sparkasse gibt nur noch in einem bestimmten Umfang Kredit.“ Im Kassenkreditbereich gebe es für die Stadt derzeit keine Kredite mit 10-jähriger Laufzeit.

 

Dafür ist Offenbach nun bei einem Investor fündig geworden. Um wen es sich handelt, darüber ist Stillschweigen vereinbart. Nur so viel: Es handelt sich um ein Versorgungswerk aus dem süddeutschen Raum, das als Anstalt öffentlichen Rechts eingetragen ist und offenbar erstmals einer Kommune Geld leiht. Angesichts des großen Volumens war eine besondere Betreuung des Geldgebers im Vorfeld nötig. Oberbürgermeister Schneider hat mit einem Vertreter des Investors eine Stadtrundfahrt gemacht und mit ihm persönlich alle offenen Fragen besprochen. „Dabei wurden viele Fragen gestellt, die im Austausch mit den üblichen Kommunalfinanzierern nicht auftauchen“, sagte Schneider. In der vergangenen Woche fand die abschließende Verhandlungsrunde statt. Arrangiert wurde die Platzierung von der Kandler Gruppe, einem privaten Beratungsunternehmen.

„strategischer Preis“

Der Offenbacher Kämmereileiter Winfried Ermert hatte bereits zum Jahresbeginn 58 Millionen Euro über Schuldscheine platziert. Die Laufzeiten waren dabei zwischen einem und zehn Jahren gespreizt. Bei den aktuellen 140 Millionen Euro hat Ermert dagegen vollständig auf eine 10 jährige Laufzeit gesetzt. Dahinter steht die Sorge vor einer Zinswende. „Es gibt Anzeichen dafür, dass eine Zinswende in den USA und damit in der Folge auch in Europa möglicherweise nicht mehr allzu fern ist“, so Ermert gegenüber DNK. „Deshalb wollen wir uns mit einem Teil des Portfolios entsprechend absichern.“ Rund ein Drittel der Kassenkredite sind nun durch die Schuldscheine im Portfolio langfristig gesichert.

 

Natürlich habe man für diese Absicherung einen „strategischen Preis“ zahlen müssen, so Ermert. Der sei aber verkraftbar. Normalerweise liege eine Finanzierung über Kommunalkredite über 10 Jahre bei circa 60 Basispunkten über dem Midswap. „Wir liegen mit dem Schuldschein ein bisschen darüber.“ Vor einigen Jahren wäre die langfristige Finanzierung noch zu teuer gewesen. Inzwischen sei sie aber günstiger, sodass sich die Absicherung nun lohne.

 

Die Aufsicht stand der Umschuldung trotz der langen Laufzeit nicht im Wege. Die Kommunalaufsicht sei zu jeder Zeit in das Vorhaben eingebunden gewesen, sagte Oberbürgermeister Schneider. Zum Hintergrund: In einigen westdeutschen Bundesländern sind im Kassenkreditbereich inzwischen Laufzeiten von bis zu 10 Jahren zulässig.

 

t.schmidt@derneuekaemmerer.de