Kämmerer Sven Schulze ist neuer Oberbürgermeister von Chemnitz. Beim zweiten Wahlgang am Sonntag konnte er knapp 35 Prozent der Stimmen erzielen, meldet die Stadt Chemnitz. Damit konnte sich Schulze deutlich von der CDU-Kandidatin Almut Friederike Patt absetzen, die rund 22 Prozent der Stimmen erhielt. Der Chefsessel im Rathaus blieb somit in SPD-Hand. Schulzes Vorgängerin Barbara Ludwig (SPD) war nicht mehr zur Wahl angetreten.
Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 47 Prozent und damit laut Informationen aus dem Rathaus deutlich höher als 2013, jedoch geringer als beim ersten Urnengang. Vor drei Wochen hatte noch fast die Hälfte der Chemnitzer gewählt. Der zweite Wahlgang war nötig geworden, weil keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht hatte.
Kämmerer liebäugelte mit OBM-Amt
Schulze ist eher opportunistisch zu seiner Kandidatur gekommen, wie er im Vorfeld der Wahl im Gespräch mit DNK verriet. Zwar hatte er mit dem Amt immer geliebäugelt, aber laut eigener Aussage keine konkreten Pläne, wann und wie er aufsteigen wollte. Erst nachdem die amtierende Bürgermeisterin verkündete, nicht mehr kandidieren zu wollen, hat er sich der Wahl gestellt. „Ich war vom Zeitpunkt überrascht. Nach einiger Überlegung habe ich mich aber entschieden, meinen Hut in den Ring zu werfen“, sagte er gegenüber DNK.
Ursprünglich hätte die Wahl bereits im Juni stattfinden sollen, doch aufgrund der Corona-Pandemie wurde sie auf September verschoben. Vielleicht hat diese Sondersituation dem Finanzexperten Schulze genutzt. „Wir haben eine Zeit mit Finanzproblemen und viel Unsicherheit“, sagte Schulze. „Vielleicht braucht es gerade jetzt einen faktenorientierten, soliden Arbeiter als OBM“, hoffte der Kämmerer vor der OBM-Wahl.
Vielleicht braucht es gerade jetzt einen faktenorientierten, soliden Arbeiter als OBM.
Als OBM-Kandidat in sozialen Medien aktiv
Doch der 1971 geborene Diplom-Kaufmann musste als OBM-Kandidat auch viel Neues lernen. So war er im Wahlkampf wesentlich präsenter in den sozialen Medien als vor seiner Kandidatur. Man müsse sich darauf einlassen, sich als Mensch zu zeigen, wenn man OBM werden wolle. „Das ist ein Lernprozess. Manches funktioniert, manches nicht“, so Schulze.
Der Vater dreier Kinder ist seit August 2015 Kämmerer in der 240.000-Einwohner-Stadt Chemnitz. Davor war er vier Jahre lang Leiter der Bereiche Kommunikation/Umfeldmanagement des Versorgers Envia-M, zuvor hatte er über zehn Jahre für die Envia AG Chemnitz gearbeitet.
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Mehr aus dem Gespräch mit dem damaligen Kämmerer und OBM-Kandidaten Sven Schulze lesen Sie in der DNK-Zeitung 3/2020.
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Finden Sie mehr über die Karrierechancen von Kämmerinnen und Kämmerern auf der DNK-Themenseite Karriere und Personal heraus.
Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.


