Nach dem Erfolg des 9-Euro-Tickets suchen Bund und Länder nach einer Nachfolgelösung. Berlin macht den Anfang.

Die Diskussion über die Finanzierung von Bussen und Bahnen für den Nahverkehr ist nach dem Auslaufen des 9-Euro-Tickets wieder voll entbrannt. Auf der jüngsten Verkehrsministerkonferenz forderten die Länder weiteres Geld vom Bund. Dieser hatte im Entlastungspaket 1,5 Milliarden Euro für die Finanzierung eines neuen bundesweiten Nahverkehrsticket angeboten, wenn die Länder mindestens den gleichen Betrag beisteuern.

Länder bestehen auf Ausbau des Angebots

Die Länder wollen zwar ebenfalls ein bundesweites günstiges Ticketangebot, fordern aber, dass auch die Regionalisierungsmittel um weitere knapp 3,2 Milliarden Euro steigen. Bislang fließen 9,4 Milliarden Euro für den Nahverkehr vom Bund an die Länder. Eine weitere Milliarde gibt es für Ausfälle während der Covid-19-Pandemie.

Aus dem Kreis der Verkehrsminister der Länder wird vor einer Verknappung des Angebots gewarnt, wenn die Mittel nicht erhöht werden. Maike Schäfer aus Bremen fordert „mehr Geld im System“ und „Butter bei die Fische.“ Der Brandenburger Guido Beermann warnt ebenso wie sein hessischer Amtskollege Tarek Al-Wazir davor, dass ein günstiges Ticket nichts bringe, wenn keine Busse fahren.

Nachfolgelösung soll 2023 kommen

Das bundesweit gültige Nahverkehrsticket erfreute sich in den Sommermonaten großer Beliebtheit. Rund 52 Millionen dieser Fahrscheine wurden nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) verkauft. Die Einnahmeausfälle der Verkehrsbetriebe wurden hälftig von Bund und Ländern übernommen.

Nun soll eine Arbeitsgruppe bis zur nächsten Sitzung der Verkehrsministerkonferenz am 12. und 13. Oktober mögliche Varianten durchrechnen und eine Lösung vorschlagen. Als Starttermin für das neue Sparticket streben Bund und Länder weiterhin den 1. Januar 2023 an.

Berlin überbrückt mit eigenem Ticket

Als erstes Bundesland hat Berlin eine Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket beschlossen, das bis Jahresende 2022 angeboten werden soll. Es gilt jedoch nur für die Stadt Berlin und nicht bundesweit. Mit monatlich 29 Euro liegt der Preis unter dem auf Bundesebene vorgeschlagenen Niveau von 49 bis 69 Euro.

Die übrigen Länder sehen den Alleingang Berlins allerdings nicht durchweg positiv. Al-Wazir wunderte sich im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk darüber, dass Berlin für das Ticket gut 100 Millionen Euro zahle und gleichzeitig der größte Empfänger im Länderfinanzausgleich sei. Mit Blick auf die Absenkung der Fahrpreise warnte Al-Wazir zudem: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die gesamte Finanzierungsstruktur von Bussen und Bahnen ins Wanken bringen.“

g.schilling@derneuekaemmerer.de

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