Nach Greensill droht die nächste Bankenpleite: Die Bafin greift bei der North Channel Bank durch. Unter deren Anlegern sollen auch Kommunen sein.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat wegen drohender Überschuldung ein Moratorium gegenüber der North Channel Bank verhängt. Die Bank darf nun weder Zahlungen noch Veräußerungen veranlassen und auch keine Zahlungen mehr annehmen, die nicht zur Tilgung von Schulden bestimmt sind, teilte die Bafin am gestrigen Donnerstag mit. Außerdem sei die North Channel Bank für den Kundenverkehr geschlossen worden.

Die finanzielle Schieflage der North Channel Bank ist schon länger bekannt. Die Bafin hatte die Kreditvergabe und Einlagenannahme bereits im August 2021 eingeschränkt und der Bank außerdem zusätzliche Kapitalanforderungen auferlegt. „Die Bank ist chronisch defizitär und hat kein nachhaltiges Geschäftsmodell mehr“, schreibt die Finanzaufsicht in einer Mitteilung. „Die Einlagen der rund 500 verbleibenden Einleger der North Channel Bank GmbH & Co. KG sind im Rahmen des Einlagensicherungsgesetzes geschützt. Das Institut gehört der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH an“, heißt es weiter.

Kommunale Anlagen bei North Channel?

Berichten zufolge sollen auch Kommunen unter den Anlegern sein. In welchem Ausmaß kommunale Gelder betroffen sind, ist zum jetzigen Zeitpunkt aber unklar. Mit der Reform der Einlagensicherung im Herbst 2017 hatten viele Kommunen ihre Anlagepolitik neu aufgestellt und zum Teil auch Gelder von Privatbanken – vor allem außerhalb der großen Institute – abgezogen. Die Pleite der Greensill Bank Anfang 2021 hatten zahlreiche Kämmerer abermals zum Anlass genommen, die Risiken ihrer kommunalen Einlagen zu überprüfen. Dass eine mögliche Insolvenz der North Channel Bank die kommunale Familie in einem ähnlichen Ausmaß wie das Greensill-Debakel trifft, ist insofern eher unwahrscheinlich.

Die North Channel Bank war laut Finanzaufsicht in den Jahren von 2012 bis 2015 an zahlreichen Cum-ex-Deals in Dänemark und Belgien beteiligt. Die dänischen und belgischen Steuerbehörden fordern daher Schadensersatz von insgesamt 176 Millionen Euro von der North Channel Bank. Diese Beträge konnte die Bank offenbar nicht zahlen, auch ein Vergleich mit den Steuerbehörden war im Vorfeld gescheitert. Laut Bafin sei „die gerichtlich erfolgreiche Durchsetzbarkeit von zumindest einem wesentlichen Teil der Ansprüche (…) überwiegend wahrscheinlich“, deshalb müssten die Liquidität mit den nun verhängten Maßnahmen gesichert werden.

North Channel seit 2009 in nordamerikanischer Hand

Die in Mainz ansässige North Channel Bank wurde 1924 als Bankhaus Oswald Kruber in Berlin gegründet. Im Jahr 2009 übernahm eine nordamerikanische Investorengruppe das Kredithaus und benannte es „North Channel Bank“ um.

s.doebeling@derneuekaemmerer.de

Info

Alle aktuellen Entwicklungen im Zusammenhang mit der Greensill-Pleite können Sie hier nachlesen.

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