Die Stadt Wiesbaden will ihre Forderungen gegenüber der insolventen Greensill Bank nicht verkaufen. Stadtkämmerer Axel Imholz erklärt DNK, warum er auf entsprechende Angebote nicht eingeht.

Banken und Anlagevermittler haben wiederholt versucht, der Stadt Wiesbaden ihre Forderungen gegenüber der insolventen Bremer Greensill Bank abzukaufen. Stadtkämmerer Axel Imholz bezeichnet dieses Vorgehen gegenüber DNK „als Ironie des Schicksals“. Schließlich habe ein Teil des Geschäftsmodells der australisch-britischen Muttergesellschaft Greensill Capital darin bestanden, Geschäfte mit eben solchen „distressed claims“ zu machen, sagt der Kämmerer. Auf diese Angebote eingehen will er aber nicht.

Die Stadt Wiesbaden gehört zu den mittlerweile 35 Kommunen, die sich im Fall der insolventen Bremer Greensill Bank zusammengetan haben. 25 von ihnen haben sich laut Imholz auf die gemeinsame Beauftragung einer Kanzlei verständigt. Sie alle hatten Termingelder bei der Bank angelegt, zum Teil sogar noch kurz vor dem Bekanntwerden der finanziellen Probleme des Bankhauses zu Beginn diesen Jahres – DNK berichtete. Allein Wiesbaden hat insgesamt 20 Millionen Euro bei der Bank im Feuer – 15 Millionen Euro davon entfallen auf die Stadt selbst und 5 Millionen Euro auf die Marketingtochter Triwicon. 

Kämmerer verkauft Forderungen nicht

Mehrere Banken und Vermittler haben laut Imholz bereits mit ihm Kontakt aufgenommen. Dieses Vorgehen sei nicht unüblich, auch bei anderen betroffenen Städten hätten sich Banken gemeldet. Zuletzt hatte es in Wiesbaden der Zweig einer englischen Bank versucht. Der Stadtkämmerer hat diese Anfragen jedoch allesamt ausgeschlagen. Die Banken und Vermittler, die bei der hessischen Landeshauptstadt angefragt haben, hatten keine „konkreten Angebote“ dabei, wie Imholz herausstellt. 

Die Stadt habe sich dennoch beraten lassen, wie sie mit den Anfragen umgehen solle. „Die einhellige Meinung der Experten war, dass es zum jetzigen Zeitpunkt im Insolvenzverfahren definitiv noch viel zu früh dafür sei, Rechte zu veräußern,“ sagt der Kämmerer. Denn aufgrund der vielen internationalen Verflechtungen der Greensill Bank werde es ohnehin fünf bis zehn Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen werden könne. 

Neben dem Zeitaspekt ist es Imholz außerdem wichtig, sich solidarisch mit den anderen betroffenen Kommunen zu zeigen. „Wir haben uns in dieser Sache mit vielen anderen Kommunen zusammen getan, deshalb wollen wir alle Schritte gemeinsam gehen“, betont der Kämmerer.

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

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