In städtischen Beteiligungen sind nur ein Fünftel aller Führungsposten durch Frauen besetzt.

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14.07.20
Beteiligungsmanagement

Kommunale Unternehmen setzen kaum auf Frauen

Nur ein Fünftel aller Top-Positionen bei kommunalen Unternehmen nehmen Frauen ein. In manchen Städten findet sich keine einzige weibliche Spitzenkraft. Geht es nicht ohne eine Frauenquote?

Immer wieder wird die Frauenquote hitzig diskutiert. Gerade versucht sich die CDU auf eine solche mühsam zu einigen. Börsennotierte Konzerne müssen bereits seit einiger Zeit Regelungen für ihre Aufsichtsräte und Vorstände einhalten. Aber wie sieht es bei kommunalen Unternehmen aus?

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Zeppelin Universität in Friedrichshafen zeichnet ein Bild, das nachdenklich stimmt: Nur 20 Prozent aller Top-Positionen bei Unternehmen in kommunaler Hand werden von Frauen besetzt. Das sind gerade einmal 0,4 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. Von einem ausgewogenem Verhältnis der Geschlechter sind die Beteiligungen der Städte und Gemeinden also noch ein ganzes Stück entfernt.

Gleichberechtigung: Offenbach top, Heidelberg flop

Doch in welchen Städten haben Frauen besonders gute Chancen, auf Führungsposten vorzurücken. An der Spitze der 69 untersuchten Städte findet sich Offenbach am Main wieder: 56,5 Prozent der Führungspositionen bekleiden Frauen. Auf das Podium schaffen es Rostock (37,1 Prozent) und Gotha (36,4 Prozent).

Ganz hinten zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Immerhin vier Städte haben gar keine Frauen in Führungspositionen. Bei einigen wie Bitterfeld-Wolfen oder Neunkirchen dürfte dies schlicht an der niedrigen Zahl an zu vergebenden Posten liegen. Neunkirchen etwa hat nur eine einzige Top-Management-Position. Würde dieser Manager durch eine Managerin ersetzt, würden die Saarländer auf den ersten Platz des Rankings springen.

Städte wie Heidelberg und Flensburg scheinen da schon strukturelle Probleme zu haben. Die Hafenstadt ganz im Norden hat keine der 14 Führungspositionen mit einer Frau besetzt. Heidelbergs Quote ist noch schlechter: Unter den 16 Top-Positionen findet sich ebenfalls keine Managerin. Aber auch Essen (1 von 29) oder Osnabrück (1 von 28) stehen nicht viel besser da.

Stadtwerke befördern kaum Frauen

Interessant ist auch, in welchen Branchen sich Frauen in Führungspositionen etablieren können. Ganz vorne sind städtische Beteiligungen im Bereich Zoo und Naturpflege, wo Frauen 40 Prozent der Spitzenpositionen besetzen. Auch in den Segmenten Gesundheit und Soziales sowie Bildung und Wissenschaft sind rund ein Drittel der Führungskräfte weiblich. Am anderen Ende des Spektrums: Die Stadtwerke und die Energiebranche. Hier nehmen Frauen jeweils nur etwas mehr als 9 Prozent der Top-Positionen ein. 

Bei diesen Zahlen ist es kaum eine Überraschung, dass die Studienautoren in vielen Städten großen „Handlungsbedarf in Bezug auf die Repräsentation von Frauen in Führungspositionen kommunaler Unternehmen“ konstatieren. Die öffentliche Hand müsse bei der Gleichstellung von Männern und Frauen eine Vorbildfunktion einnehmen.

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D-PCGM kann Orientierung bieten

Und wie könnten Lösungsansätze aussehen, um mehr Frauen in Führungsrollen zu bringen? Die Autoren der Studie regen eine Transparenzverpflichtung für öffentliche Unternehmen an, wie sie bereits in der Privatwirtschaft existiert. Es könnten beispielsweise Vorgaben zur Berichterstattung zu Zielgrößen für die beiden Führungsebenen unterhalb des Top-Managements vorgegeben werden. 

Gebietskörperschaften könnten zudem eine entsprechende Regelung in ihre jeweiligen Public Corporate Governance Kodizes (PCGK) aufnehmen. Denn vielerorts sind die Vorgaben nur unpräzise und wenig verbindlich formuliert. Als Blaupause könnte hier der Deutsche PCG-Musterkodex dienen. Dort steht: „Bei der Zusammensetzung des Geschäftsführungsorgans sollen die Gesellschafterversammlung und das Aufsichtsorgan auf ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern sowie auf Diversität hinwirken.“

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de

In der Studie „Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen – ein deutschlandweiter Städtevergleich“ der Zeppelin Universität wurden insgesamt 69 Städte analysiert. Neben den Stadtstaaten und Landeshauptstädten wurden die jeweils vier größten Städte je Bundesland, gemessen an der Einwohnerzahl, in die Untersuchung einbezogen. Berücksichtigt wurden alle von der jeweiligen Stadt maßgeblich beeinflussten Unternehmen der ersten und zweiten Ebene, d. h. alle Unternehmen mit einem unmittelbaren oder mittelbaren Beteiligungsanteil der Stadt von mindestens 50 Prozent. Um nach Möglichkeit den jeweils aktuellsten Stand der Zusammensetzung des Top-Managementorgans zu ermitteln, wurden die Daten von den Internetseiten der Unternehmen erhoben.