Präsentation der Marburger Stadt-Geld-Aktion: Kämmerer Thomas Spies (vorne, 2. von links) mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung.

Stadt Marburg/Patricia Grähling

20.08.20
Haushalt

Marburg schüttet 1,5 Millionen Euro „Stadt-Geld“ aus

Um die Innenstadt-Betriebe nach dem Lockdown anzukurbeln, hat Marburg „Stadt-Geld“ verteilt. Insgesamt wurden so 1,5 Millionen Euro ausgegeben. Den Umsatzimpuls für die Betriebe schätzt Kämmerer Thomas Spies auf das Dreifache.

Rund 1,5 Millionen Euro hat die Stadt Marburg letztendlich in Form ihres „Stadt-Geldes“ ausgeschüttet. Etwa 80 Prozent der Stadt-Geld-Gutscheine wurden eingelöst. Damit sei es gelungen, lokale Betriebe der Innenstadt in der Coronakrise zu stützen. Dieses Fazit zog Kämmerer und Oberbürgermeister Thomas Spies gestern gegenüber den Fachmedien „Der Neue Kämmerer“ und „OBM-Zeitung“.

Die Stadt Marburg hatte ihr Stadt-Geld im Juni an alle Einwohner versandt. Dabei handelt es sich um Gutscheine in Höhe von 20 beziehungsweise 50 Euro. Die Coupons konnten bei teilnehmen Betrieben bis zum 15. August eingelöst werden. Es nahmen rund 550 Betriebe an der Aktion teil. Insgesamt gab die Stadt ursprünglich Gutscheine im Wert von rund 1,9 Millionen Euro aus.

Stadt-Geld sorgt für drei Mal so hohe Umsatzimpulse

Ziel der Aktion war es, in der Phase erster Lockerungen nach dem Lockdown den Menschen einen Anreiz zum Einkauf in der Marburger Innenstadt zu geben. Dies sei gelungen. Zwar lasse sich das konkrete Einkaufsverhalten statistisch nur schwer erfassen. Doch es sei davon auszugehen, dass bei einzelnen Einkäufen nicht nur das Geld in Höhe des Gutscheinwerts ausgegeben worden sei, erklärt Spies. Schätzungsweise habe die Aktion zu Umsatzimpulsen geführt, die etwa das Dreifache des eingesetzten Stadt-Geldes betrügen.

Nach Rückmeldungen aus dem Einzelhandel hätten in rund 70 Prozent der Fälle die Kunden eine höhere Summe ausgegeben als sie dem Wert des Gutscheins entspreche. Nicht erfasst seien außerdem zusätzliche Einkäufe, die über die Gutscheinverwendung hinausgingen. Zudem hätten viele Menschen, die den Gutschein einlösten, bei der Gelegenheit auch andere Läden besucht. Einige Händler hätten sogar davon berichtet, neue Kunden gewonnen zu haben, die durch die Aktion auf ihre Geschäfte aufmerksam geworden seien.

„Wichtig war es, unmittelbare Umsatzimpulse zu geben, um die Liquiditätssituation der örtlichen Betriebe zu stabilisieren“, sagt Spies. „Die Menschen sind früher und häufiger in die Stadt gekommen, als sie es sonst getan hätten.“ Darauf habe die Aktion abgezielt.

Solide Finanzsituation macht Stadt-Geld möglich

Dass die Stadt letztendlich 1,5 Millionen Euro an Stadt-Geld ausschütten konnte, hängt mit ihrer grundsätzlich soliden Finanzsituation zusammen. „Wir sind eine eher gewerbesteuerstarke Kommune. Im Falle von Gewerbesteuernachzahlungen legen wir stets etwas zur Seite, um auf mögliche Einbrüche reagieren zu können“, sagt Spies. Dies habe sich im Kontext der Coronakrise für die Stadt als besonders hilfreich erwiesen.

Nachhaltig sei die Aktion, weil kaum ein Betrieb während der Krise habe schließen müssen. „Bisher ist es uns gelungen, den Einzelhandel und die Gastronomie in Marburg durch die Krise zu steuern.“ Grundsätzlich unterstreicht Spies die Verantwortung von Bund und Land dafür, der Wirtschaft durch die Coronakrise zu helfen. „Doch wir haben die wichtige Erfahrung gemacht, dass man auch vor Ort viel erreichen kann.“ Es sei gelungen, den Einzelhandel und die Gastronomie anzukurbeln. Zudem habe sich gezeigt, „dass die Menschen motiviert sind, lokal zu denken“.

Ob die Stadt im Falle eines zweiten Lockdowns danach wieder Stadt-Geld ausschütten werde, kann Spies allerdings nicht sagen. „Mit der Coronakrise erleben wir teils täglich Neuerungen – da verbietet es sich, Prognosen abzugeben.“

a.erb(*)derneuekaemmerer(.)de

Mehr zum Thema Coronakrise finden Sie auf unserer DNK-Themenseite.