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04.06.18
Recht & Steuern

Grundsteuer: Wo kostet Wohnen am meisten?

Von 323 Euro in Gütersloh bis zu 771 Euro in Witten: Je nach Wohnort kann sich die jährliche Grundsteuerbelastung mehr als verdoppeln – das hat der Verein Haus und Grund errechnet. Er appelliert zugleich an klamme Kommunen, ihre Hebesatzpolitik zu überdenken.

Die jährliche Grundsteuerbelastung einer vierköpfigen Familie unterscheidet sich je nach Wohnort um mehrere hundert Euro. Das zeigt das Grundsteuerranking 2018 von Haus und Grund. Für die Untersuchung hat das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag des Eigentümervereins die Belastung einer Musterfamilie für ein Einfamilienhaus in den 100 größten deutschen Städten beziffert.

 

Der Kalkulation liegen neben den Steuermesszahlen und den jeweiligen kommunalen Hebesätzen Einheitswerte für Einfamilienhäuser zugrunde. Diese hat das IW errechnet, indem es über die Jahresrohmieten aktuelle Einheitswerte bestimmt hat. Die Ergebnisse weichen daher von den tatsächlichen Belastungen ab, die noch auf veralteten Einheitswerten basieren. Diese hatte das Bundesverfassungsgericht im April gekippt.

 

Am günstigsten kommt die Musterfamilie danach in der westfälischen Stadt Gütersloh weg. Sie zahlt hier jährlich 323 Euro Grundsteuer B bei einem Hebesatz von 381 Prozent. Nur geringfügig höher ist die Steuerlast in Regensburg (335 Euro/Hebesatz 395 Prozent) sowie in Ratingen und Reutlingen (jeweils 339 Euro/Hebesatz 400 Prozent). In der Liste der günstigsten Kommunen weit vorne findet sich mit Ludwigshafen auch eine der Städte mit einer immensen Kassenkreditverschuldung: Mit einer errechneten Belastung von 356 Euro (Hebesatz 420 Prozent) landet die rheinland-pfälzische Stadt auf dem siebten Platz.

Grundsteuer in NRW-Kommunen besonders hoch

Wenig überraschend dominieren am anderen Ende der Tabelle Städte aus Nordrhein-Westfalen, wobei Kommunen aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland naturgemäß überproportional stark im Ranking vertreten sind: 19 von 25 Städten mit den höchsten Jahresbeträgen für die Grundsteuer B liegen in NRW, wo in den vergangenen Jahren praktisch alle Stärkungspaktkommunen an den Hebesätzen gedreht haben – auch wenn es mittlerweile schon Kurskorrekturen wie etwa bei der Stadt Remscheid gibt, die in diesem Jahr ihren Hebesatz von 784 auf 640 Prozent abgesenkt hat. Die bergische Großstadt liegt damit aber immer noch deutlich über dem ungewichteten Durchschnittssatz der größten Städte von 555 Prozent und landet mit einer jährlichen Belastung von 542 Euro auf Rang 79.

 

Schlusslicht der 100 größten Städte ist die Stadt Witten im Ruhrgebiet mit einem Hebesatz von 910 Prozent und einer errechneten Belastung von 771 Euro. Ähnlich teuer leben Eigentümer in Duisburg: Hier fallen bei einem Hebesatz von 855 Prozent 724 Euro Grundsteuer B an. Auf den letzten Plätzen folgen Berlin als einzige Nicht-NRW-Kommune unter den Top 10 sowie Leverkusen, Marl, Lünen, Hagen, Herne, Moers und Recklinghausen.

 

Die Macher der Studie verbinden die Ergebnisse zugleich mit einem Appell an die Kommunen. Die Befunde sollten Anstoß sein, die Hebesatzpolitik zu überdenken, fordert Kai Warnecke, Präsident von Haus und Grund: „Ein hoher Hebesatz und eine hohe Grundsteuerlast lassen augenscheinlich nicht auf ein gutes Wohnumfeld und ein gutes kommunales Infrastrukturangebot schließen. Eine niedrigere Grundsteuer kann für eine Kommune offenbar förderlich sein.“

Zukunft der Grundsteuer ungeklärt

Wie es in Zukunft mit der Grundsteuer weitergeht, ist bislang noch unklar. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat der Gesetzgeber bis Ende 2019 Zeit, um eine neue Regelung zu treffen, die wiederum bis Ende 2024 umgesetzt werden muss.

 

Offen ist auch, ob die Grundsteuer in Zukunft weiterhin auf Bodenwerten basieren soll oder stattdessen von einem wertunabhängigen Modell abgelöst werden könnte. Derzeit laufen Gespräche zwischen Bund und Ländern. Berliner Kreisen zufolge plant Bundeswirtschaftsminister Olaf Scholz (SPD), noch in diesem Jahr einen Vorschlag für eine Neuregelung vorzulegen.

 

s.nitsche(*)derneuekaemmerer(.)de