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Dresden kauft Wohnungen und Grundstücke von Vonovia zurück

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Mit dem Kauf des Gesamtpakets aus 1.213 Wohnungen unterschiedlicher Größe sowie unbebauten Grundstücken mit einer Fläche von etwa zwölf Hektar will die sächsische Landeshauptstadt Dresden den Bestand ihrer noch jungen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“ (WiD) mehr als verdoppeln. Die WiD ist eine 100-prozentige Tochter der Stadt. Das Wohnungsunternehmen Vonovia und die Stadt haben sich für das Immobilienpaket auf einen Kaufpreis in Höhe von 87,8 Millionen Euro geeinigt. „Unser Ziel, eine dauerhafte, sichere und bezahlbare Wohnungsversorgung für die Dresdner Bevölkerung, kann mit dem Erwerb weiter erreicht werden“, sagt WiD-Geschäftsführer Steffen Jäckel laut einer gemeinsamen Pressemitteilung der Landeshauptstadt Dresden, der WiD und Vonovia. Er spricht in dem Zusammenhang von einem großen Schritt für das junge Unternehmen und den sozialen Wohnungsbau in der Landeshauptstadt.

Kooperationsvereinbarung ging voraus

Hintergrund des Deals ist die im April 2022 geschlossene Kooperationsvereinbarung der Landeshauptstadt Dresden und des Immobilienkonzerns Vonovia. Die Vereinbarung umfasst Inhalte zu gemeinsamen Quartiersentwicklungen, einem gemeinsamen Vorgehen bei der Klimastrategie und dem Ankauf von Wohnungen aus dem Bestand von Vonovia. Dresdens Beigeordneter für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften, Stephan Kühn, bezeichnet den Erwerb der Entwicklungsflächen als einen „Meilenstein für den Aufbau eines kommunalen Flächenportfolios“.

Dresdens Weg der Rekommunalisierung

Dresden beschreitet wohnungspolitisch seit einigen Jahren den Weg der Rekommunalisierung. Im Jahr 2006 hatte die sächsische Landeshauptstadt ihr kommunales Wohnungseigentum privatisiert und sich aus den daraus erzielten 1,7 Milliarden Euro vollständig entschuldet. Dieser Schritt wurde damals sehr kontrovers diskutiert.

Tatsächlich zog die Privatisierung Probleme nach sich. So klagte die Stadt schon im Jahr 2011 gegen den Käufer, die Wohnungsgesellschaft Gagfah, die mehrheitlich der US-Investmentgesellschaft Fortress gehörte, weil diese die vereinbarte Sozialcharta nicht eingehalten hatte. Daraufhin erhob das Unternehmen eine Gegenklage. Es kam zu einem Vergleich: Die Gagfah sollte der Stadt in den Jahren 2012 bis 2020 jährlich vier Millionen Euro zahlen und ihre Prozesskosten bis zu einem Betrag von vier Millionen Euro übernehmen. In Summe ergaben sich 40 Millionen Euro, die ursprünglich überschlagenen Vertragsstrafen hatten sich allerdings theoretisch auf 1,06 Milliarden Euro belaufen. Im März 2015 übernahm die Deutsche Annington das Konkurrenzunternehmen Gagfah. Seit September 2015 firmiert die Immobiliengesellschaft unter dem Namen Vonovia.

Druck auf dem Wohnungsmarkt

Auch vor dem Hintergrund eines zunehmenden Drucks auf dem Wohnungsmarkt entschied sich die Landeshauptstadt Dresden im Jahr 2015 für mehr Einfluss in der kommunalen Wohnungspolitik und gründete 2017 mit „Wohnen in Dresden“ (WiD) eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft. Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatte sich im vorherigen Wahlkampf noch gegen die Gründung der Wohnbaugesellschaft ausgesprochen. In einem Interview mit den Dresdner Neuesten Nachrichten sagte Hilbert damals, Aufwand und Nutzen würden bei dem Vorhaben nicht zusammenpassen. „In der Regel ist es so, dass die öffentliche Hand meist deutlich teurer baut“, so der Oberbürgermeister weiter. Eine Wohnbaugesellschaft zu gründen, sei zudem eine Verschuldung durch die Hintertür. Die Schulden würden die städtischen Gesellschaften aufnehmen und nicht die Stadt. DNK berichtete.

Kehrtwende in der Wohnungspolitik

Inzwischen bewertet Hilbert die Kehrtwende in der Wohnungspolitik anders. Laut Pressemitteilung sagt Hilbert: „Das ist ein guter Tag für Dresden. Mit dem Ergebnis werden wir den kommunalen Wohnungsbestand einerseits mehr als verdoppeln, und gleichzeitig sichern wir unserer Stadt signifikante Flächenpotentiale für zukünftige Wohnflächenentwicklung.“ Hier gelte es nun mittelfristig Baurecht zu schaffen, um dem wachsenden Bedarf an Wohnraum in Zukunft ein Angebot entgegensetzen zu können. Nach intensiven Verhandlungen über die vergangenen Wochen und Monate sei die Einigung über dieses Gesamtpaket ein sehr gutes Ergebnis für die Stadt.

Jetzt muss der Stadtrat noch über das Ergebnis entscheiden. Hilbert kündigte an, dazu im November eine Entscheidungsvorlage in die Gremien einzubringen, um diese in der Stadtratssitzung am 14. Dezember 2023 zum Beschluss zu führen.

v.wilke@derneuekaemmerer.de

Vanessa Wilke

Vanessa Wilke ist gemeinsam mit Sarah Döbeling Chefredakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster arbeitete Vanessa Wilke als freie Journalistin beim Handelsblatt, bis sie 2003 ihr Volontariat bei FINANCE begann. Dort entwickelte sie im Jahr 2004 die Zeitung „Der Neue Kämmerer“ sowie den „Deutschen Kämmerertag“ und leitete anschließend die Redaktion. 2017 begann sie mit der Entwicklung von „OBM – Zeitung für Oberbürgermeisterinnen und Oberbürgermeister“. 2020 folgte die Weiterentwicklung dieses Themenfelds in der Plattform #stadtvonmorgen, die seitdem ebenfalls zu ihrem Verantwortungsbereich zählt.