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Biontech: Die Mainzer Geldquelle versiegt

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Der Höhenflug des Impfstoffherstellers Biontech ist vorüber. Mit einem Nettogewinn von 502,2 Millionen Euro schloss das Mainzer Unternehmen Biontech das erste Quartal 2023 ab. Das Ergebnis lag deutlich unter dem des gleichen Vorjahreszeitraums, in dem Biontech 3,7 Milliarden Euro verdient hatte. Die Umsätze sanken von 6,3 Milliarden Euro im ersten Quartal 2022 auf 1,2 Milliarden im vergangenen Quartal.

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Montag dieser Woche präsentierte das Unternehmen trotzdem einen positiven Ausblick auf Neuentwicklungen und das auslaufende Impfstoffgeschäft. „Unsere finanzielle Performance im ersten Quartal 2023 hat unsere Erwartungen voll und ganz erfüllt“, sagte Jens Holstein, CFO von Biontech.

Sinkende Gewerbesteuereinnahmen

Der Gewinnrückgang hat auch Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte. Für das zum 31. März dieses Jahres endende Quartal sind Ertragsteuern in Höhe von 205,5 Millionen Euro angefallen, meldete das Unternehmen bei der Vorstellung der Zahlen. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren noch 1,3 Milliarden Euro angefallen.

Standorte des Unternehmens wie Mainz, Marburg und Idar-Oberstein müssen nun mit geringeren Gewerbesteuereinnahmen rechnen. Im Mainzer Rathaus zeigte sich Finanzdezernent Günter Beck „bestürzt“ über den Umsatzeinbruch. Man habe nicht mit einem so starken Einbruch gerechnet, sagte er dem SWR. Die Gewerbesteuereinnahmen dürften 2023 damit deutlich unter den Ansätzen liegen. Sehr wahrscheinlich werde es einen Nachtragshaushalt geben, sagte Beck.

Geringerer Hebesatz der Gewerbesteuer

Biontech war während der Coronapandemie nicht nur für impfwillige Bürger rettender Lieferant eines wirksamen Impfstoffs. Für die Standorte des Unternehmens erwiesen sich die erzielten Gewinne als belebende Finanzspritze. Mainz erhielt 2021 rekordhohe Gewerbesteuerzahlungen von 1,2 Milliarden Euro. 2022 waren es noch 830 Millionen Euro.

Für 2023 und 2024 hat die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt im aktuellen Doppelhaushalt rund 620 Millionen Euro eingeplant. Zum Abschmelzen der Gewerbesteuereinnahmen trägt außer dem rückläufigen Gewinn von Biontech auch die Absenkung des Hebesatzes der Gewerbesteuer von 440 auf 310 Punkte bei. Mainz verfügt weiterhin über ein „gutes finanzielles Polster“, versicherte Beck.

g.schilling@derneuekaemmerer.de

 

Gunther Schilling

Gunther Schilling ist Verantwortlicher Redakteur Public Sector mit Schwerpunkt „#stadtvonmorgen“. Für „Der Neue Kämmerer“ schreibt er insbesondere über die Themen Haushalt und kommunale Unternehmen. Der Diplom-Volkswirt ist seit 1990 als Redakteur in der F.A.Z.-Verlagsgruppe tätig. Das Team von „Der Neue Kämmerer“ verstärkt Gunther Schilling seit Januar 2022. Zuvor war er Leitender Redakteur des Außenwirtschaftsmagazins „ExportManager“.