„Das Vernetzungspotenzial ist immens“, sagt Philipp Schwarz. Rund 11.000 Kommunen gibt es in Deutschland. Die meisten streben nach Klimaneutralität, und überall gewinnt die Klimaanpassung an Bedeutung. Doch bislang läuft vieles unkoordiniert: Zwar stehen die Kommunen vor ähnlichen Herausforderungen, arbeiten aber meist unabhängig voneinander an Lösungen für gleiche Probleme. Um also schneller und effizienter Klimaarbeit zu betreiben, brauche es in diesem Bereich mehr interkommunale Vernetzung, meint Schwarz, der mit der Webseite GovShare eine Austauschplattform für den kommunalen Klimaschutz gegründet hat.
Mehr Effizienz durch Allianzen für den Klimaschutz
Das Schmieden von Allianzen für den Klimaschutz sei nicht nur ein entscheidender Faktor, um diesbezüglich schneller voranzukommen, sondern auch, um Ressourcen dafür effizient einzusetzen. Der Erfahrungsaustausch und der gegenseitige Wissenstransfer erhöhten die Erfolgswahrscheinlichkeit einzelner Maßnahmen, sagt Schwarz.
Exemplarisch beschreibt er lokale Förderprogramme für die Installation von kleinformatigen Solarkraftwerken auf privaten Balkonen. Einige Kommunen machen in ihren Haushalten Mittel frei, um auf diese Weise mit lokalen Förderkulissen die Bürger in den Aufbau einer regenerativen Stromproduktion einzubeziehen und ihnen damit ihre Teilhabe an der Energiewende zu erleichtern. Bei der Umsetzung zeigten sich aber Fallstricke, die nicht immer vorhersehbar seien, meint Schwarz. Der interkommunale Austausch könne dazu beitragen, Fehler zu vermeiden.
Konkret weist Schwarz darauf hin, dass die Sensibilität der Bürger für das Thema Balkonsolar je nach medialer Repräsentanz variiere. Bei einer intensiven Berichterstattung darüber trete oft das Phänomen auf, dass das Interesse an einer lokalen Förderung sprunghaft steige. Es sei also eine oft gemachte Erfahrung, dass dies zu einer Antragsflut und damit zu einer Überlastung der entsprechenden Fachabteilung führen könne. Einer Kommune, die eine Förderung für Balkonsolargeräte startet, sei also zu raten, dieses Szenario in der Planung ihrer Prozesse zu berücksichtigen, um mögliche Verzögerungen zu vermeiden. In einer interkommunalen Kooperation könnten solche Erfahrungswerte geteilt werden.
Es bedarf einer Konzertierung der Klimaarbeit
Grundsätzlich sei die Bereitschaft dazu vorhanden: Insgesamt herrsche „ein positiver Spirit in Sachen Klimaschutz in den Kommunen“, meint Schwarz. Viele gingen progressiv, engagiert und idealistisch voran. Die Akteure der kommunalen Klimaarbeit würden den Mehrwert von interkommunaler Kooperation erkennen und strebten den gegenseitigen Austausch oft sogar an. Allerdings laufe vieles bislang unkoordiniert ab – über informelle Netzwerke, Emailverteiler oder Chatgruppen. Doch wolle man die ambitionierten nationalen und internationalen Ziele der Klimaneutralität erreichen, brauche es nicht nur ein starkes Engagement auf der kommunalen Ebene, sondern auch dessen Konzertierung.
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Andreas Erb ist Redakteur im Public Sector des F.A.Z.-Fachverlags. Er arbeitet insbesondere an der Weiterentwicklung der Plattform #stadtvonmorgen und berichtet dabei vorwiegend über urbane Transformationsprozesse. Für die Redaktion von „Der Neue Kämmerer“ beleuchtet er diese Themen aus Perspektive der Kommunalfinanzen. Seit 1998 ist der Kulturwissenschaftler als Journalist und Autor in verschiedenen Funktionen tätig, seit 2017 als Redakteur im F.A.Z.-Fachverlag.

