Künstliche Intelligenz hält Einzug in deutsche Behörden: Fast die Hälfte der Verwaltungsmitarbeiter arbeitet mittlerweile mit KI-Tools, die ihr Arbeitgeber offiziell bereitstellt – deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Nur 18 Prozent nutzen solche Anwendungen überhaupt nicht. Das zeigt der ThemenRadar 2026, eine Umfrage des Kompetenzzentrums Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut FOKUS. 341 Personen aus Kommunen, Ländern, Bund sowie aus Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft haben an der Umfrage teilgenommen.
KI macht schneller, nicht unbedingt besser
Der größte Effekt der KI-Nutzung besteht für eine deutliche Mehrheit der Befragten darin, dass die Arbeit schneller erledigt werden kann. 75 Prozent gaben an, dass die Bearbeitung zügiger läuft. 70 Prozent finden durch die Tools neue Lösungsansätze für Probleme. Die Qualität der Ergebnisse verbessert sich dagegen nur bei jedem Vierten (24 Prozent), die Arbeitsfreude steigert sich bei jedem Fünften (21 Prozent). Bemerkenswert: Nur 7 Prozent gaben an, dass ein Wegfall der Tools keine Auswirkungen auf ihre Arbeit hätte – bei fast allen anderen würde laut der Umfrage eine Lücke entstehen.
Insgesamt zeichnet die Befragung ein widersprüchliches Bild: Während KI-Anwendungen im Arbeitsalltag der Verwaltungsmitarbeiter angekommen sind, blicken viele Befragte kritisch auf die digitale Transformation. Es gebe zwar konkrete Fortschritte, das Tempo sei aber insgesamt zu langsam, so die einhellige Meinung. Ein möglicher Grund: Vielerorts gebe es in den Verwaltungen allenfalls „Ermutigungen“ neue digitale Tools zu nutzen, aber keine Verpflichtung.
Deutschland-Stack bleibt Blackbox
Für viele Fragezeichen bei den Verwaltungsmitarbeitern sorgt weiterhin der Deutschland-Stack, der die Digitalisierung eigentlich ein großes Stück voranbringen soll. Viele Befragte können dessen Auswirkungen nicht einschätzen. Hierbei fällt auf, dass die Experten aus Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft, die ebenfalls an der Umfrage teilgenommen haben, viel optimistischer auf den Deutschland-Stack schauen. Sie erwarten bei der eID/EUDI Wallet, einer Art App für digitale Identitäten, und der Registermodernisierung deutlich größere Fortschritte als die Verwaltungsmitarbeiter. Besonders bei der technischen Interoperabilität und der digitalen Souveränität fallen die Bewertungen beider Gruppen sehr unterschiedlich aus. Auch hier sind die Verwaltungsmitarbeiter skeptischer.
Kleine Erfolge statt großem Wurf
Die Umfrage zeigt allerdings auch, dass die digitalen Fortschritte im Alltag vor Ort durchaus gesehen werden, während der Blick auf die digitale Transformation als Ganzes kritisch bleibt. So sehen die Befragten viel Positives bei der Online-Wohnsitzanmeldung, dem digitalen Kfz-Zulassungsdienst iKfz oder der elektronischen Akte. Auch die Registermodernisierung wird als Fortschritt gewertet. Dennoch fällt die Gesamtwahrnehmung düster aus. „Mühsam“ und „schwerfällig“ zählen zu den am häufigsten genannten Begriffen, wenn es um die digitale Transformation insgesamt geht.
Das sind die Zukunftsthemen
Die Fraunhofer-Forscher haben auch nachgefragt, welche Digitalthemen wichtig bleiben. Die Befragten nennen hier Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit, Datenmanagement, digitale Souveränität, Verfahrensautomatisierung, die ebenenübergreifende Zusammenarbeit, Krisenfestigkeit und Bürokratieabbau. An Fahrt gewinnen nach ihrer Einschätzung die elektronische Identität, die Registermodernisierung, Cloud-Lösungen, digitaltaugliches Recht und Open-Source-Software.
Info
An der Online-Umfrage nahmen 341 Personen teil – aus Kommunen, Ländern, Bund sowie aus Wirtschaft, Forschung, Politik und Zivilgesellschaft. Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut FOKUS führt den ThemenRadar seit 2020 jährlich durch und will so ein fortlaufendes Lagebild der Verwaltungsdigitalisierung erstellen. Die Studie wird vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung gefördert.
Ariane Mohl ist Redakteurin im Public Sektor des F.A.Z.-Fachverlags. Für die Plattform #stadtvonmorgen schreibt sie über die Energiewende in den Städten und Gemeinden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Die Politikwissenschaftlerin arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin. Vier Jahre lang war sie als Redakteurin für den Neuen Kämmerer tätig. Nach fünf Jahren bei der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) ist sie seit Juli 2025 wieder für den F.A.Z.-Fachverlag im Einsatz.

