Mit Blick auf steigende Energiepreise drängt IVKK-Vorstand Bernhard Ziegler auf einen „Schutzschirm für Krankenhäuser“.

Angesichts der Auswirkungen des Ukrainekonflikts und steigender Energiepreise fordert Bernhard Ziegler, Vorstandsvorsitzender des Interessensverbands Kommunaler Krankenhäuser (IVKK), dringend staatliche Hilfe für die Kliniken. „Es braucht einen Schutzschirm für die Krankenhäuser“, sagt er im Interview mit dem DNK-Schwesterportal #stadtvonmorgen. Konkret müssten die Krankenhäuser bei steigenden Energiekosten und bei Erlösausfällen im Zusammenhang mit coronabedingt aufgeschobenen Behandlungen entlastet werden.

Ziegler warnt vor „massivem Kostenproblem“

Die Liquiditätssituation vieler Krankenhäuser sei „extrem belastet“, warnt Ziegler. „Hinzu kommt, dass vielerorts die Personalsituation sehr angespannt ist und die Häuser mit dem Fachkräftemangel ringen.“ Dies sorge an vielen Stellen für eine Überlastung des Betriebs. Die Pandemie mit den sich auf Coronapatienten verschobenen Prioritäten spanne die ohnehin prekäre Lage zusätzlich an. Im Spiegel des Ukrainekonflikts sorgten nun die exorbitant steigenden Energiepreise außerdem für neuen Druck. Es entwickele sich ein „massives Kostenproblem“.

Das hänge damit zusammen, dass Krankenhäuser angesichts des recht starr ausgerichteten Abrechnungssystems eigene Kostensteigerungen im Bereich Energie nicht ohne weiteres „weitergeben“ können, so Ziegler. „Gleichzeitig kommen sie mit Einsparungen nur bedingt weiter. Denn die Heizung oder die Klimaanlage auf der Krankenstation lässt sich eben nicht abdrehen.“

Energiepreise drücken Krankenhäuser tiefer ins Defizit

Am Beispiel des Klinikums in Itzehoe (Foto oben), wo Ziegler Krankenhausdirektor ist, mache die Preissteigerung rund zwei Prozent des Gesamtumsatzes von 200 Millionen Euro aus. „Wir erwarten aufgrund der gestiegenen Energiekosten eine Mehrbelastung in Höhe von vier Millionen Euro, die wir nicht abwälzen können und die uns ins Defizit drücken“, sagt Ziegler. „Das tut weh.“

Es sei die Aufgabe des Bundes und der Länder, hier gegenzusteuern. Doch weil zu wenig Hilfe komme, sähen sich vielerorts Kommunen als Träger der Häuser „aus der Not heraus“ dazu gedrängt, einzuspringen, um Standorte zu retten und die regionale Versorgung zu sichern. Ziegler: „Eigentlich ist das systemwidrig.“

Bund stellt Härtefallregelung in Aussicht

Bundeskanzler Olaf Scholz und die Länderchefs hatten in der vergangenen Woche bei einer Ministerpräsidentenkonferenz im Zusammenhang mit allgemeinen staatlichen Maßnahmen gegen steigende Energiepreise auch spezielle Härtefallregelungen in Aussicht gestellt. Dafür gibt der Bund über den Wirtschafts- und Stabilisierungsfonds zwölf Milliarden Euro. Demnach fallen auf Krankenhäuser, Universitätskliniken und Pflegeeinrichtungen insgesamt acht Milliarden Euro.

Dies sei ein „gutes Signal“, so Ziegler. Nun komme es jedoch auf die Umsetzung an. Zudem dürfe sich die Auseinandersetzung mit der Krankenhausfinanzierung nicht in der Energiefrage erschöpfen. Grundsätzlich litten Krankenhäuser an einem strukturellen Finanzproblem, das es dringend zu lösen gelte, um die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland aufrechtzuerhalten.

Info

Das vollständige Interview von Bernhard Ziegler mit #stadtvonmorgen ist hier zu finden.

a.erb@derneuekaemmerer.de

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