Der Kaiserslauterner Stadtrat winkt eine Pachtreduzierung für den FCK durch. Die geht abermals auf Kosten des städtischen Haushalts.

Das Fritz-Walter-Stadion, die Spielstätte des Fußballdrittligisten 1. FC Kaiserslautern, belastet den städtischen Haushalt abermals in Millionenhöhe. Gestern stimmte der Kaiserslauterner Stadtrat einer Beschlussvorlage zu, die dem Klub eine Pachtreduzierung von 3,2 Millionen Euro auf 625.000 Euro in den Spielzeiten 2022/23 und 2023/24 sichert. Die Differenz in Höhe von 2,575 Millionen Euro pro Saison leistet die Stadt als Kapitalzuführung an ihre Stadiongesellschaft.

Zügig und geräuschlos: Stadt senkt Stadionpacht

Im Gegensatz dazu, wie heftig in den vergangenen Jahren um die Stadionpacht gerungen wurde, ging die Entscheidung des Lokalparlaments gestern relativ geräuschlos und zügig vonstatten. Der Verein, der im Juni 2020 in ein Insolvenzverfahren geraten war, schreibe in der Dritten Liga jährlich Verluste in Höhe von mindestens fünf Millionen Euro. Daher könne er die ursprünglich vereinbarte Pacht nicht aufbringen, erklärte Erwin Saile, Geschäftsführer der kommunalen Stadiongesellschaft, in der Ratssitzung.

Es lägen hinsichtlich des europäischen Beihilferechts entsprechende Gutachten vor, die eine Marktkonformität der reduzierten Pachthöhe im Vergleich zu anderen Drittligaklubs bestätigten, so Saile. Für den Fall, dass der FCK in die Zweite Bundesliga aufsteigt, sieht der Beschluss des Stadtrats eine um 800.000 Euro auf 2,4 Millionen Euro reduzierte Stadionpacht vor. Darüber hinaus ist in der Dritten Liga eine Zusatzpacht von 100.000 Euro fällig, wenn der FCK einen Schnitt von mehr als 21.000 Zuschauern erreicht. Ebenso ist die Stadiongesellschaft zu 40 Prozent an Erlösen beteiligt, sollte der FCK in die zweite DFB-Pokalrunde einziehen.

Kein Inflationsausgleich bei Stadionpacht

Angesichts der angespannten Haushaltslage der hochverschuldeten Stadt und des Umstands, dass die FCK-Hilfe in den vergangenen Jahren sogar durch eine Erhöhung kommunaler Steuern refinanziert wurde, beantragte die Fraktion Die Linke in der Stadtratssitzung, die Stadionpacht im Vergleich zu vergangenen Reduzierungen „zumindest moderat“ anzuheben. Konkret ging es der Fraktion um einen Inflationsausgleich, wonach die Drittligapacht 750.000 Euro betragen hätte.

Diesem Vorschlag stimmte der Stadtrat allerdings nicht zu. Zumindest an dieser Stelle schimmerte im Lokalparlament die Hitzigkeit vergangener Pachtdebatten durch. Der „Schaufensterantrag“, mit dem die Linksfraktion ihr „politisches Süppchen kochen“ wolle, sei „überflüssig wie ein Kropf“, raunte ein Abgeordneter der CDU. Gerade mit Blick auf die derzeitige sportliche Situation des FCK, die Hoffnung auf einen Aufstieg in die lukrativere Zweite Liga mache, sei er ein „Stimmungskiller“.

Pachtstreit geht auf WM 2006 zurück

Hintergrund des Pachtstreits in Kaiserslautern ist der Ausbau des Fritz-Walter-Stadions zur Spielstätte bei der WM 2006. Da der Verein, damals noch Bundesligist, schon zu dieser Zeit in finanziellen Schwierigkeiten war und seine Ausbauverpflichtungen nicht leisten konnte, kaufte ihm die Stadt 2003 das Stadion für rund 60 Millionen Euro ab. Damit sollte der FCK entschuldet werden. Der festgeschriebene Zinsdienst für die Stadionkredite belastet die kommunale Stadiongesellschaft mit jährlich rund 3,2 Millionen Euro. Daran orientiert sich die Pacht des Vereins.

Aufgrund des sportlichen und wirtschaftlichen Niedergangs des Klubs wird allerdings seit Jahren, meist begleitet von hitzigen öffentlichen Debatten, immer wieder um die Pachthöhe gerungen. Minderungen gingen stets zulasten des städtischen Haushalts. Für das Fritz-Walter-Stadion und die vermeintliche Rettung des FCK flossen in Kaiserslautern seit 2003 über 170 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln. Dies kritisiert der Bund der Steuerzahler.

a.erb@derneuekaemmerer.de

Info

Mehr über den Pachtstreit in Kaiserslautern lesen Sie auf der DNK-Themenseite Sportfinanzierung.

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