Finanzausschuss in Bergisch Gladbach diskutiert Auswirkung der Zinswende auf den Neuabschluss von Kassenkrediten. Gewerbesteuereinahmen erleichtern Schuldenabbau.

Die Zeit der Negativzinsen ist vorbei, meldet die Stadt Bergisch Gladbach. Der Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften berät am 25. August über die Folgen für die Aufnahme kurzfristiger Kassenkredite. Bereits seit dem 27. Juli müsse die Stadt beim Neuabschluss von Kassenkrediten Zinsen bezahlen. Die „paradiesischen Zustände“ der vergangenen Jahre seien Geschichte.

Abbau kurzfristiger Kassenkredite

Ende Juli seien knapp zwei Drittel der bestehenden Kassenkredite (46,5 Millionen Euro) unterjährig und ein gutes Drittel (25 Millionen Euro) mit Zinsbindungen von zwei bis fünf Jahren finanziert worden. Im August werde ein Teil der kurzfristigen Kredite getilgt und ihr Anteil auf etwa 50 Prozent sinken. Zur Ablösung der Kredite würden die höheren Einnahmen aus der Gewerbesteuer verwendet.

„Bei der nun stattfindenden Entwicklung zeigt sich, dass unsere kluge und umsichtige Einschätzung sich ausgezahlt hat“, sagt Stadtkämmerer Thore Eggert. „Wir haben die Gesamtentwicklung im Zinsbereich weiterhin stetig im Blick. Da wir aus dem Bereich des Negativzinses kommen, wird uns nicht die gesamte Spanne des Zinsanstiegs belasten, sondern tatsächlich nur der Teil, der über den Prozentsatz von null hinausgeht.“

Vorsorgliche Einpreisung im Haushalt

Insgesamt plant die Stadt für die kommenden Monate weitere Schritte zur Abmilderung des Zinsanstiegs. Kurzfristige Kassenkredite, die zur Vorfinanzierung von Investitionen genutzt wurden, sollen durch langfristige Kommunaldarlehen abgelöst werden. Dies sei aktuell noch zu günstigen Konditionen möglich. Außerdem stünden 157.000 Euro zur Verfügung, die 2022 aus Negativzinsen zugeflossen seien. Damit könnten steigende Zinszahlungen für die Kassenkredite gedeckt werden.

Bei der Haushaltsaufstellung 2022 wurde eine mögliche Zinserhöhung nach Angaben der Stadt bereits eingepreist. Die vorhandenen Ansätze seien vorsichtig gewählt worden und auskömmlich. Insgesamt hatte Bergisch Gladbach Ende Juli 2022 Schulden in Höhe von 340 Millionen Euro.

Bergisch-Gladbach steht im Landesvergleich günstig da

Schon in den Vorjahren konnte die Stadt ihre Verschuldung deutlich zurückfahren. Die Kassenkredite verringerten sich 2021 um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, weist die Landesbehörde IT-NRW aus. Bei der Pro-Kopf-Verschuldung lag die Stadt mit 2.992 Euro Ende 2021 unter dem Landesdurchschnitt von 3.359 Euro. Noch deutlicher liegen Stadt und Land bei den Kassenkrediten der Kernhaushalte auseinander. In Bergisch Gladbach entfielen auf jeden Einwohner und jede Einwohnerin 460 Euro, in Nordrhein-Westfalen insgesamt 1.127 Euro.

g.schilling@derneuekaemmerer.de

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