Die Verkehrswende soll die Innenstadt auch mit Mitteln des Bundes vom Autoverkehr entlasten. Gibt es noch Platz für das gute, alte Taxi?

Der Frühling kommt! Bund und Länder lockern die Hygieneregeln. Das Leben kehrt zurück in die Innenstädte. Jedoch nicht immer zu Fuß, mit Bus oder Bahn. Auch Kraftfahrzeuge bevölkern die Zufahrtswege. Und das gefällt nicht jedem: Insbesondere die um neue Mobilitätskonzepte ringende Kommunalpolitik tut sich zunehmend schwer mit allein reisenden Autofahrern. Obwohl das Verständnis für die Not der Gewerbetreibenden durchaus groß ist. Die Pandemie hat die Innenstädte wirtschaftlich ausgedörrt. Läden, Restaurants und, nicht zuletzt, die Unternehmen der Personentransportbranche mussten schwere Einbußen verkraften. Da zählt jeder potentielle Kunde und jede potentielle Kundin, insbesondere die steinreichen Motorisierten mit großen Kofferräumen zur Mitnahme umfangreicher Einkäufe. Doch die Mobilitätswende soll die Stadt durch den Ausbau des ÖPNV eigentlich vom motorisierten Individualverkehr entlasten.

Brückentechnologie zwischen Schiene und Privatauto

Doch halt: Gibt es nicht eine Lösung, die individuelle Kraftfahrzeuge und ÖPNV zusammenbringt? Für den Bundesverband Taxi und Mietwagen e.V. (BVTM) ist klar: „Das Taxi gehört zum ÖPNV und deshalb auch in die ÖPNV-Finanzierung“, sagte Geschäftsführer Michael Oppermann der Taxi Times. Passender Anlass für die Positionierung war eine Onlinekonferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern zur Erhöhung der Regionalisierungsmittel des Bundes am 23. Februar 2022. Zwar soll damit insbesondere der Schienenpersonennahverkehr unterstützt werden. Doch Oppermann wies darauf hin, dass die Taxibranche gerade bei den Stürmen der vergangenen Tage den Ersatzverkehr für ausgefallene Züge übernommen habe und damit ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt habe.

Nun heißt es: Zusammenrücken! „Das Taxi ist seit langem Partner der Öffentlichen, etwa als Anrufsammeltaxi oder Taxibus. On-Demand-Verkehr muss mit dem Taxi nicht erst neu erfunden werden“, heißt es weiter aus dem Munde Oppermanns. Doch die Städte tun sich schwer mit der smarten Einbindung der flexiblen Mobilitätslösung. So hat München seine Mobilitäts-App MVGO mit allen möglichen Angeboten – vom Fahrrad- über E-Scooter- und E-Moped-Verleih bis hin zu Bus und Bahn – online vernetzt. Auch das Taxi ist als „privatautofreie Mobilität“ mit an Bord. Doch die Bestellung ist bislang nur telefonisch möglich. Es fehlt die Anbindung an die vorhandenen Apps der Taxibetreiber.

München packt das Taxi in die App

Georg Dunkel, Mobilitätreferent der Stadt, nennt die neue Mobilitäts-App auf München TV einen wichtigen ersten Schritt auf dem Weg zu Mobility as a Service. Man wolle in den kommenden Wochen und Monaten weitere Anbieter einbinden und damit einen wichtigen Beitrag auch zur Ergänzung des ÖPNV und damit zur Verkehrswende leisten. Laut Sinaida Cordes, Leiterin Mobilitätsentwicklung und Innovation der Stadtwerke, arbeite man schon an der Integration von Carsharing – zunächst als Absprunglösung, dann als Tiefenintegration. Aber auch das heute schon in der App verfügbare Taxiangebot werde als Komplettlösung kommen. Dann sei das Taxi aus der App unmittelbar buchbar. Eigentlich schade: Dann wird der Ruf nach dem Taxi wohl nur noch virtuell in der App erfolgen. „Hallo Taxi“ gehört doch eigentlich zum richtigen Frühling in der Innenstadt.

g.schilling@derneuekaemmerer.de

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