Die Städte Krefeld, Mönchengladbach und Neuss betreten Neuland bei alternativen Finanzierungen. Derzeit prüften sie die Möglichkeiten einer interkommunalen Zusammenarbeit, erklärt der Neusser Stadtkämmerer Frank Gensler das Vorhaben auf Nachfrage von DNK.
Ob es sich dabei um einen Schuldschein oder eine Anleihe handeln werde, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden. „Wir sprechen eher über einen Schuldschein, sind aber noch ganz am Anfang des Prozesses“, so der Neusser Stadtkämmerer. Ein vergleichbares interkommunales Projekt mit dieser Ausrichtung sei ihm nicht bekannt.
Ausgabe von Green- und Social-Bonds diskutiert
Mit Blick auf die steigenden Zinsen am Kapitalmarkt werde innerhalb der kommunalen Landschaft bereits seit einiger Zeit die Ausgabe von sogenannten Green- und Social-Bonds diskutiert, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der drei Kommunen.
„Angesichts der Anforderungen an das finanzielle Volumen derartiger Bonds, der anspruchsvollen rechtlichen und fachlichen Rahmenbedingungen und der erforderlichen Betreuungsaufwände wollen die Städte Krefeld, Mönchengladbach und Neuss nach ersten Sondierungsgesprächen nun gemeinsam ergebnisoffen prüfen, ob eine interkommunale Kooperation einen wirtschaftlichen Zugang zu diesen innovativen Finanzierungsquellen zur Bewältigung der Zukunftsinvestitionen eröffnen kann“, sagt Mönchengladbachs Stadtkämmerer Michael Heck in der Mitteilung.
Guter Draht zwischen den drei Kämmerern
Diese von Banken zu begleitenden Finanzierungsmodelle müssten dabei jedoch unter Berücksichtigung ihrer Transaktions- und Betreuungskosten mindestens ebenso wirtschaftlich wie ein Kommunalkredit sein. „Wir sind da völlig unromantisch“, sagt Frank Gensler, Kämmerer der Stadt Neuss. Wenn sich bei der Sondierung herausstelle, dass ein Kommunalkredit besser für die Städte sei, würde auch kein Bond begeben werden.
Als Gründe für das interkommunale Projekt nennt Gensler eine ähnliche ökonomische Grundlage in den drei Städten und einen guten Draht zwischen den beteiligten Kämmerern. Alle drei würden allein auch nicht an die benötigte Größenordnung heranreichen. „Beim ersten Umhören in der Szene haben wir schnell erkannt, dass sich eine alternative Finanzierung unter 100 Millionen Euro nicht lohnen würde“, erklärt Gensler.
Alternative Finanzierung mit Mix aus grünen und sozialen Projekten
Klarer sei bereits die Ausrichtung der Projekte, die die Städte mit dem Gemeinschaftsprojekt finanzieren würden. „Wir denken schon an eine spezifische Ausrichtung des Finanzierungsinstruments auf ‚grüne‘ Investitionen, da wir uns dadurch einen – noch zu verifizierenden – Zinsvorteil versprechen“, sagt Stadtkämmerer Gensler.
Die Stadt Mönchengladbach denke aktuell auch über Sozialbonds nach, ergänzt Heck. Vermutlich werde sich die interkommunale Zusammenarbeit bei den drei beteiligten Kommunen durch einen guten Mix aus „grünen Projekten“ und „sozialen Projekten“, zum Beispiel im Bereich der Infrastruktur für Bildung, auszeichnen.
Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.

