Die buchstäbliche Ruhe vor dem Sturm: schon vor der Coronakrise waren die Kämmerer sich bewusst, dass die Digitalisierung noch weiter vorangebracht werden muss.

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08.06.20
Haushalt

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Einnahmeeinbrüche, für die die Coronakrise sorgt, kamen für die Kommunen völlig unerwartet. Viele Kämmerer schätzten die Finanzsituation allerdings schon im Herbst vergangenen Jahres skeptischer ein als zuvor, zeigt das KfW-Kommunalpanel 2020.

Die Coronakrise sorgt derzeit für pessimistische Einschätzungen bei den Kämmerern. Eine allgemeine konjunkturelle Eintrübung zeichnete sich jedoch bereits Ende 2019 ab, wie das aktuelle KfW-Kommunalpanel zeigt. 

Schon zum Zeitpunkt der Panelerhebung im Herbst 2019 fiel die Beurteilung der zukünftigen Finanzsituation der rund 740 befragten Kämmereien skeptischer aus als in den Jahren zuvor. Für das laufende Haushaltsjahr erwartete fast die Hälfte der Kommunen, dass sich die Lage nachteilig entwickeln würde (eher nachteilig 41 Prozent, sehr nachteilig 6 Prozent).

Kämmerer waren schon vor Corona pessimistisch

Jede zehnte Kämmerei erwartete im Herbst 2019 jedoch noch eine vorteilhafte Entwicklung der Finanz- und Haushaltslage. Diese Einschätzung, und auch die, dass die Haushaltslage „weit gehend konstant“ bleiben würde (43 Prozent), teilen heute nur noch die wenigsten Kommunen. Wie die Befragung zur Ergänzung „Corona“ des KfW-Kommunalpanels im April 2020 ergab, rechnen inzwischen 95 Prozent der Kämmerer mit sinkenden Einnahmen im laufenden Kalenderjahr.

Die allgemeine konjunkturelle Eintrübung, die im Herbst feststellbar war, spiegelte sich in dem KfW-Panel auch in den Einschätzungen zur Haushaltsentwicklung wider. Für die kommenden fünf Jahre erwarteten lediglich 6 Prozent der befragten Kämmereien eine Verbesserung.

Während ein Drittel der Landkreise, Städte und Gemeinden noch von konstanten Verhältnissen ausging, erwarteten bereits 61 Prozent eine Verschlechterung. Diese Befürchtungen bewahrheiten sich nun auch durch die Coronakrise.

Skepsis gegenüber Digitalisierung

Besonders in den Fokus der Öffentlichkeit rückte in den vergangenen  Monaten die Bedeutung der Digitalisierung. Im Herbst 2019 hofften viele Kämmereien dem KfW-Panel zufolge auf eine langfristige Verbesserung der Prozesse (rund 40 Prozent) und eine daraus resultierende Ressourceneffizienz (rund 9 Prozent).

Gleichzeitig waren sich die Landkreise, Städte und Gemeinden allerdings auch des Aufwandes und der Anforderungen an Technik und Sicherheit bewusst. Die drei meist genannten Befürchtungen waren demnach hohe Kosten der notwendigen Maßnahmen (14 Prozent), die Anforderungen an den Datenschutz (11 Prozent) sowie fehlendes Knowhow in der Verwaltung (10 Prozent).

Fast drei Viertel der im KfW-Panel befragten Kämmereien gingen davon aus, dass die Digitalisierung eine systematische Neuausrichtung der Verwaltungsprozesse erfordere. Dabei wurde die Digitalisierung von der Mehrheit der Finanzverantwortlichen als Problem wahrgenommen, das eine ressortübergreifende Gesamtstrategie erfordert.

Die Coronakrise unterstreicht noch einmal die Bedeutung digitaler Infrastrukturen. Im Herbst 2019 erwarteten bereits rund 70 Prozent der Kommunen in Zukunft einen hohen Einfluss. Laut der Ergänzungsumfrage zum KfW-Kommunalpanel im April dieses Jahres rechnen inzwischen 91 Prozent mit einem weiteren Schub bei der Digitalisierung durch Corona.

alexandra.jarchau(*)frankfurt-bm(.)com

Das KfW-Kommunalpanel basiert auf einer jährlichen Befragung der Kämmereien von Landkreisen, Städten und Gemeinden. Neben einer repräsentativen Auswahl von Kommunen mit mehr als 2.000 Einwohnern werden alle Groß- und Mittelstädte mit mehr als 20.000 Einwohnern sowie alle Landkreise befragt.

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