Laut einer neuen Studie sinkt erstmals seit 2018 die Anzahl an Frauen in Top-Managementpositionen bei kommunalen Unternehmen.

Die FIT-Public Management-Studie 2021 „Repräsentation von Frauen im Top-Management öffentlicher Unternehmen: Ein deutschlandweiter Städtevergleich“ zeigt ein ernüchterndes Ergebnis: Frauen sind in Spitzenpositionen öffentlicher Unternehmen nicht nur weiterhin deutlich unterrepräsentiert, die Entwicklung stagniert außerdem erstmals seit Studienbeginn im Jahr 2018.

Zudem haben die Herausgeber der Studie, die Management- und Personalberatung zfm und die Zeppelin Universität Friedrichshafen (ZU), einen marginalen Rückgang von 0,2 Prozentpunkten bei Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen festgestellt. Das zeigt sich unter anderem bei der Neubesetzung von Top-Managementpositionen. Bei den zwischen 2020 und 2021 neu zu besetzenden Stellen gingen nur 19,7 Prozent an Frauen. Im Vorjahr waren es noch 22 Prozent.

Die Wissenschaftler der ZU analysieren in Kooperation mit zfm im Rahmen einer Langzeitstudie die öffentlichen Unternehmen von insgesamt 69 Städten sowie von Bund und Bundesländern. Um ein deutschlandweit flächendeckendes und ausgewogenes Ergebnis zu erlangen, bezieht die Studie auf der Ebene der Kommunen neben den Stadtstaaten und Landeshauptstädten auch die jeweils vier größten Städte je Bundesland, gemessen an der Bevölkerungszahl, in die Untersuchung ein.

Kein einheitliches Bild

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den Städten gibt. Bundesweiter Spitzenreiter ist bereits seit Jahren die Stadt Offenbach am Main. Dort liegt der Frauenanteil in Top-Managementpositionen bei 47,8 Prozent. Auf den folgenden Rängen liegen Rostock und Gotha mit jeweils 36,4 Prozent und Berlin mit 35,7 Prozent Managerinnen auf oberster Führungsebene.

Zu den Schlusslichtern zählen die Städte Lübeck (4,3 Prozent), Oranienburg, Ingolstadt, Osnabrück, Bitterfeld-Wolfen, Heidelberg und Neunkirchen (je 0 Prozent). Die Autoren der Studie weisen jedoch darauf hin, dass die Beteiligungsportfolios der kleineren Städte nur wenige Unternehmen aufweisen.

Ostdeutsche Städte liegen vorn

Allgemein lässt sich weiterhin feststellen, dass die ostdeutschen Städte überdurchschnittlich viele Frauen an der Spitze ihrer kommunalen Unternehmen haben. Zehn der zwölf Städte mit mehr als 30 Prozent weiblich besetzter Top-Managementpositionen liegen in Ostdeutschland.

Die Studie zeigt zudem, dass Frauen in Städten aus Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit Ausnahme von München (20,7 Prozent), Düsseldorf (26,3 Prozent) und Koblenz (23,1 Prozent) vergleichsweise schlechtere Karrierechancen haben. Die Frauenrepräsentation liegt dort zum Teil deutlich unter 15 Prozent.

Anforderungen müssen formuliert werden

Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU hebt hervor, dass in einigen Städten kontinuierliche Anstiege bei der Repräsentation vorliegen, dagegen in vielen anderen Städten die Entwicklung weiter stagniert oder in einigen Städten sogar rückläufig ist. In der Debatte um eine verantwortungsvolle Unternehmensführung und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an Führungspositionen werde öffentlichen Unternehmen eine Vorbildfunktion zugewiesen, betont Papenfuß in der Studie.

Mit Blick auf das im Juni von Bundestag und Bundesrat beschlossene zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II) und die empirischen Befunde der Studie dränge sich „mit Macht die Frage auf die politische Agenda, inwieweit Städte, Bundesländer und Bund in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereichen die im Gesetz formulierten Anforderungen in Public Corporate Governance Kodizes (PCGK) oder Gesetzen ebenfalls zeitnah etablieren“, so Papenfuß.

Unabhängig von den gesetzgeberischen Überlegungen und Entwicklungen solle in jeder Gebietskörperschaft mit öffentlichen Unternehmen ein PCGK eingeführt werden, in dem die Anforderungen aus dem FüPoG II zur Mindestbeteiligung von Frauen als Empfehlung aufgenommen werden. Papenfuß verweist auf mögliche Empfehlungen im Deutschen Public Corporate Governance-Musterkodex. Zudem empfiehlt er die Repräsentation von Frauen für die zwei Führungsebenen unterhalb des Top-Managementorgans, in die regelmäßig von Gebietskörperschaften zu veröffentlichenden Beteiligungsberichte aufzunehmen.

Kein Mangel an qualifizierten Frauen

Einen Mangel an Kandidatinnen, die die erforderlichen Erfahrungen und Qualifikationen mitbringen, sieht zfm-Geschäftsführer Edmund Mastiaux nicht. „Die öffentliche Hand sollte geeignete Kandidatinnen aktiv ansprechen und ermutigen, ihre Managementfähigkeiten in den entsprechenden Auswahlverfahren unter Beweis zu stellen. Und: Die Arbeitgeber müssen attraktiver werden und in den Chefetagen öffentlicher Unternehmen zum Beispiel vermehrt flexible Arbeitszeitformen etablieren. Der Wettbewerb um talentierte Führungskräfte ist groß. Mit attraktiven New Work-Angeboten können Unternehmen im Öffentlichen Sektor auch gegenüber der Privatwirtschaft punkten“, empfiehlt Mastiaux.

v.wilke@derneuekaemmerer.de

 

Die vollständige Studie finden Sie zum Download auf der Webseite der Zeppelin Universität:

Downloads Studien (zu.de)

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