Das durch die Entwicklung von Corona-Impfstoffen berühmt gewordene Unternehmen Biontech sorgt für sprudelnde Gewerbesteuern an seinen Standorten.

Das Biotechnologieunternehmen Biontech aus Mainz wird mit Blick auf üppig sprudelnde Gewerbesteuereinnahmen offenbar zu einer Goldgrube auch für seine weiteren Produktionsstandorte. Mit seiner Postadresse liegt der Hauptsitz in Mainz bereits wörtlich An der Goldgrube. Aus Mainz kamen dann auch die ersten Meldungen über rekordverdächtige Zuwächse bei den Gewerbesteuereinnahmen.

Nachdem Mainz berichtet hatte, für das Jahr 2021 mit einem Überschuss von mehr als einer Milliarde Euro zu planen und für 2022 immerhin noch mit 490 Millionen Euro, vermeldeten die Städte der Biontech-Produktionsstandorte Marburg und Idar-Oberstein jetzt ähnlich erfreuliche Nachrichten.

Überschuss statt ausgeglichenem Haushalt

Idar-Oberstein erreicht demnach aufgrund der Gewerbesteuern von Biontech 2021 einen Jahresüberschuss von rund 100 Millionen Euro. Zuvor erwartet worden war seitens der Stadt ein ausgeglichener Haushalt. Laut der jetzt vorliegenden Vorausleistungsmessbescheide würden die Steuereinnahmen im laufenden Jahr wie auch im Haushaltsjahr 2022 um rund 200 Millionen Euro steigen, meldet die Kommune. Dadurch werde die Verwaltung dem Stadtrat „erstmals seit Jahrzehnten für das kommende Jahr einen Haushalt ohne Liquiditäts- oder Investitionskreditbedarf vorlegen können“.

Laut eines Berichts des SWR erinnert sich Stadtkämmerer Carsten Stützel noch genau an den Tag, als er von den Einnahmen erfahren hatte. „Als wir den Kontoauszug bekommen haben, auf dem dann ein Guthaben von 200 Millionen Euro stand – das war schon ein besonderer Tag“, sagte er dem SWR. Die Bank habe auch angerufen und gefragt, ob das alles seine Richtigkeit habe.

Marburg erwartet laut vorläufiger Bescheide für die kommenden beiden Jahre 570 Millionen Euro mehr bei der Gewerbesteuer. Auf das laufende Haushaltsjahr entfielen davon 370 Millionen Euro. Für 2022 rechnet die Universitätsstadt noch mit etwa 200 Millionen Euro mehr als gewöhnlich. „Dass es so viel wird, hatten wir nicht erwartet“, zeigt sich Oberbürgermeister Thomas Spies laut Mitteilung ebenfalls überrascht ob des unverhofften Geldregens.

Regionen profitieren von Gewerbesteuern

Von den sprudelnden Gewerbesteuern profitieren jedoch nicht nur die einzelnen Städte. Nach ersten Schätzungen werde Marburg etwa 70 Prozent der Einnahmen als Umlagen an den Landkreis und das Land weiter geben. Von den 570 Millionen Euro für 2021 und 2022 gingen also 400 Millionen Euro ab. „Das sind die Regeln und das finden wir auch fair“, betont Spies: „Den Erfolg, den die Menschen aus der ganzen Region hier am Standort Marburg schaffen, auch mit allen zu teilen.“

Das bedeutet für die Biontech-Standorte aber auch, dass sich die Kreisumlagen erhöhen werden, während Schlüsselzuweisungen entfallen. Daher sei es wichtig „alle nunmehr anstehenden Entscheidungen mit Bedacht und Augenmaß zu treffen“, mahnt Idar-Obersteins Oberbürgermeister Frank Frühauf. In „Anbetracht dieser noch nie dagewesenen Möglichkeiten“, dürfe man jetzt nicht in „blinden Aktionismus“ verfallen.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

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