Beim Umsetzungsstand in Sachen Smart City ist in Deutschland offenbar noch immer zu wenig Bewegung drin. So gibt es auch in diesem Jahr auf dem Siegerpodest der smartesten Städte Deutschlands kaum Veränderungen, wie die aktuelle Studie der Unternehmensberatung Haselhorst zeigt.
Erneut belegen mit München, Hamburg und Köln Millionenstädte die vorderen Plätze. Im vergangenen Jahr hatte München noch hinter Hamburg und Köln auf dem dritten Platz gelegen – DNK berichtete. Seit 2018 listet die Smart City-Studie der Starnberger Unternehmensberatung jährlich die größten Städte Deutschlands ab 30.000 Einwohnern anhand ihres Digitalisierungsgrades auf.
Zäher digitaler Fortschritt
In diesem Jahr konnte sich München laut den Autoren der Studie zwar aufgrund einiger neuer Smart-City-Initiativen mit einem Score von rund 48 Prozent knapp vor den Sieger von 2020, Hamburg, setzen. Der Abstand zum Drittplatzierten Köln mit 46 Prozent bleibe jedoch nach wie vor gering und mache den „sehr zähen digitalen Fortschritt ersichtlich“.
Es müsse sich dringend etwas ändern, mahnt Arno Haselhorst, Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Unternehmensberatung: „Noch nicht einmal die aktuellen Spitzenreiter erzielen einen Digitalisierungsgrad von 50 Prozent, von der Mehrheit der Kommunen mit weniger als 20 Prozent einmal ganz zu schweigen.“ Schreite die Digitalisierung der Städte in den kommenden Jahren nicht endlich massiv voran, drohe Deutschland seine Klimaziele deutlich zu verfehlen. „Eine Energiewende ohne eine intelligente und ressourcenschonende Fortentwicklung der Kommunen ist schlichtweg nicht machbar“, kommentiert Haselhorst die Studienergebnisse.
Smart City trotz geringer Ressourcen
Mehr Bewegung gibt es allerdings unter den übrigen Top 10 platzierten Städten. Mit Bad Nauheim landet laut Studie ein „Hidden Champion“ auf dem fünften Platz mit einem Digitalisierungsgrad von 38 Prozent. Der hessischen Kurstadt ist damit in diesem Jahr erstmalig ein Sprung unter die besten zehn Städte gelungen. Knapp vor Bad Nauheim belegt Darmstadt den vierten Platz. „Das Beispiel zeigt: Eine intelligente Stadtentwicklung ist keineswegs eine Frage der Bevölkerungszahl; vielmehr scheinen auch Kommunen weit jenseits der Eine-Million-Einwohner-Grenze inzwischen in der Lage zu sein, das Thema Smart City trotz geringerer finanzieller und personeller Ressourcen vorantreiben zu können“, heißt es seitens der Studienautoren.
Unter den Städten, die den größten Digitalisierungsgrad im Vergleich zum Vorjahr erreichen konnten, sticht Sindelfingen hervor. Die Kommune mit rund 65.000 Einwohnern steigerte sich vom 322. Rang auf Platz 66. An zweiter Stelle der sogenannten „Emerging Cities“ rangiert Filderstadt mit einem Digitalisierungsgrad von inzwischen 24 statt 3 Prozent. Auch einige Städte des Ruhrgebiets, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund landen unter den Top 20. Damit „weisen sie den größten Ballungsraum Deutschlands … als potenziellen Zukunftsträger in puncto Smart City aus“.
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Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.

