Vom europäischen Dateninfrastruktur-Projekt GAIA-X können auch Kommunen in Deutschland profitieren. Es soll unter anderem wenig effektive Insellösungen verhindern.

Noch scheint sich das europäische Dateninfrastrukturprojekt GAIA-X bei Kommunen in Deutschland nicht richtig herumgesprochen zu haben. Doch es dürfte ihnen künftig die Arbeit massiv erleichtern. Davon ist Alexander Handschuh, Projektpate und Pressesprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, überzeugt.

Im ersten Schritt hat sich das Projekt, das 2019 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) initiiert worden und nun auf europäischer Ebene angesiedelt ist, an Unternehmen gewandt. Jetzt spricht es verstärkt Kommunen an.

Laut Informationen des Ministeriums verfügen Städte, Landkreise und Gemeinden derzeit in Deutschland nur vereinzelt über Datenplattformen, die der Logik und dem Anspruch einer Smart-City-Datenplattform entsprechen. Gründe dafür sieht das BMWi vor allem in den „hohen rechtlichen und technisch-regulatorischen Unsicherheiten“. Daraus würde sich bei der Beschaffung solcher Plattformen ein „hohes inhaltliches Risiko mit gleichzeitig hohen Kosten“ ergeben.

„Kommunen setzen viel Zeit, Mühe und Geld auf dem Weg zur Smart City ein“, sagt auch Alexander Handschuh. Dabei stünden sie derzeit vor einer ganzen Reihe von Herausforderungen. Darunter sei etwa die Frage, wo die Daten letztendlich gespeichert werden können, oder auch die Suche nach einem Betreiber für eine Plattform. Dazu kämen vergaberechtliche Fragestellungen, beispielsweise dürfen sich Kommunen nicht von den Unternehmen beraten lassen, die sich dann um einen Auftrag bewerben.

Das Projekt GAIA-X verspricht nun Lösungen. Es soll laut dem Projektpaten keine monolithische Plattform sein, sondern verschiedene Anbieter zusammenschließen, um eine Cloudinfrastruktur verschiedener öffentlicher und privater Anbieter zu schaffen. Doch anders als bei den meist amerikanischen Angeboten sollen bei GAIA-X die Daten in Europa verbleiben und so für Datensicherheit und -souveränität gesorgt werden.

GAIA-X Förderwettbewerb

Um innerhalb des Projekts die Anwenderseite zu fördern, führt derzeit die Bundesnetzagentur den Wettbewerb „Innovative und praxisnahe Anwendungen und Datenräume im digitalen Ökosystem GAIA-X“ im Auftrag des BMWi durch. Gefördert wird dabei die Entwicklung von Leuchtturmvorhaben in Form von sogenannten Use-Cases innerhalb der GAIA-X-Domänen und domänenübergreifend. Zu den Domänen gehören unter anderem die Bereiche Industrie 4.0/KMU, Gesundheit, Finanzwesen, Öffentlicher Sektor, Geoinformationen, Smart Living, Energie, Mobilität und Agrar.

„Das Ziel eines Projekts könnte etwa die Entwicklung einer Plug-and-Play-Lösung für kommunale Datenplattformen sein“, erklärt Handschuh. Das würde auch in den Kommunen für Vereinfachungen sorgen. Gerade für kleinere Städte und Gemeinden sei es aufgrund der großen technischen Komplexität und hoher Kosten oftmals schwer, eigene Lösungen zu entwickeln.

Doch auch schon entwickelte eigene Lösungen sollen künftig in GAIA-X eingebunden werden können. So braucht laut Handschuh keine Kommune zu befürchten, dass bereits in bestehende Projekte investierte/s Zeit und Geld vergebens gewesen sein könnten.

Blaupausen für Kommunen

Verschiedene Städte wie etwa Hamburg, München, Darmstadt, Ulm und Paderborn haben bereits aus eigenem Ansporn mit der Entwicklung eigener Datenplattformen begonnen. Diese Städte sowie die Metropolregion Rhein-Neckar sollen im Rahmen der Umsetzung der GAIA-X-Use-Cases in das Projekt integriert werden, heißt es beim BMWi. Der Projektpate sieht darin eine „Riesenchance, Blaupausen für städtische Datenplattformen zu schaffen“.

Optimistisch zeigt sich auch die Bundesnetzagentur ob der Resonanz auf den Förderwettbewerb. „Die Anzahl der eingereichten Skizzen zeigt, wie groß das Interesse und der Bedarf an einer sicheren und vernetzten Dateninfrastruktur für eine souveräne Datenverarbeitung sind“, sagt ihr Präsident Jochen Homann. Mit dem Förderwettbewerb treibe man „die digitale Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit Europas voran.“

Die Use-Cases sollen verhindern, dass Kommunen nichtnachhaltige „Insellösungen“ für Smart-City-Datenplattformen erschaffen, heißt es beim Bundeswirtschaftsministerium. Aktuell versuchten viele Kommunen parallel, unabhängig voneinander gleiche Herausforderungen zu lösen.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

Der Artikel ist zuerst in der DNK-Zeitung 2/2021 erschienen. Lesen Sie mehr zum Thema Digitalisierung auf unseren Themenseiten Digitale Verwaltung und Stadt von morgen.

Update: Ende Mai wurde Sascha Tegtmeyer, Leiter des Urban Data Hubs beim Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV) der Freien Hansestadt Hamburg, zum Vorsitzenden der Smart City Domain gewählt.

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