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04.07.18
Finanzmanagement

Ende der Einlagensicherung: Kämmerer schichten um

Die Reform der Einlagensicherung hat weitreichende Konsequenzen: Viele Kommunen haben Anlagen bei privaten Banken abgezogen – das zeigt die DNK-Kämmererbefragung 2018. Allerdings verfolgen die Kämmerer durchaus differenzierte Anlagestrategien.

Nur noch ein Bruchteil der Kämmerer legt nach dem Wegfall der Einlagensicherung kommunale Guthaben uneingeschränkt bei Privatbanken an. Das zeigt die DNK-Kämmererbefragung 2018, für die diese Redaktion im April rund 2.300 Kämmerer und Finanzverantwortliche von Städten, Gemeinden und Kreisen an­geschrieben hat. Insgesamt haben 561 Teilnehmer den Fragebogen vollständig ausgefüllt, das entspricht einer Quote von gut 24 Prozent.

 

Seit dem 1. Oktober vergangenen Jahres sind kommunale Guthaben bei Privatbanken nicht mehr durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) geschützt. Viele Kämmerer haben die Entscheidung des BdB verärgert zur Kenntnis genommen – und sie lassen ihrem Unverständnis auch Taten folgen, wie die Ergebnisse der aktuellen DNK-Befragung verdeutlichen.

Ausfallrisiken: Kommunen ohne Kapazitäten für eigene Bewertung

Unmittelbar von der Reform betroffen sind allerdings ohnehin nur 41 Prozent der Umfrageteilnehmer – die Vertreter der übrigen Kommunen hatten nach eigenem Bekunden auch schon vor dem Stichtag keine Einlagen (mehr) bei privaten Finanzinstituten. In den betroffenen Kommunen fällt die Antwort jedoch deutlich aus: Während 19 Prozent der Befragten bekunden, auch weiterhin uneingeschränkt Gelder bei Privatbanken anlegen zu wollen, gibt eine deutliche Mehrheit von 81 Prozent an, dass sie ihre Anlagestrategie bereits angepasst habe oder dies in absehbarer Zeit tun werde – und verweist bei der Frage nach den Gründen weit überwiegend auf den Grundsatz „Sicherheit vor Ertrag“.

 

Ein weiterer entscheidender Faktor: Viele Kommunen sehen sich zumindest in der Praxis nicht imstande, selbst das Ausfallrisiko einer Bank zu bewerten, um auf dieser Basis Anlageentscheidungen treffen zu kön­nen: Fehlende Kapazitäten führen mehrere Teilnehmer als Grund für ihre Haltung an.

Einlagensicherung: Laufzeit beeinflusst Strategie

Abhängig von der Laufzeit der Anlagen verfolgen die Kämmerer aber durchaus differenzierte Strategien. Dies zeigen die de­taillierten Angaben derjenigen, die zum Stichtag der Reform bei mindestens einer Anlageform noch Geschäfte mit privaten Geldhäusern unterhielten und die zugleich zuvor bestätigt hatten, dass sie gene­rell Konsequenzen aus der Einlagenreform ziehen oder ziehen wür­den (n = 174): Je länger die Laufzeit einer Anlage, desto größer die Vorsicht bei der weiteren Anlageentscheidung.

 

Die Antworten der „kritischen“ – weil sowohl von der Reform direkt betroffenen als auch wechselwilligen – Gruppe belegen, dass bei allen vier abgefragten Formen vor der Reform jeweils zwi­schen 56 und 65 Prozent der Teilnehmer Anlagen bei Privatbanken hat­ten. Zahlungsverkehrs- bzw. Girokonten unterhalten nach dem Stichtag weiterhin 45 Prozent dieser Gruppe, wohingegen dies nur noch auf 14 Prozent im Bereich von Festgeldkonten mit (Rest-)Laufzeiten von mindestens einem Jahr zutrifft.

 

s.nitsche(*)derneuekaemmerer(.)de

In einer früheren Version dieses Textes hieß es, kommunale Anlagen seien nach wie vor bis zu einer Höhe von 100.000 Euro durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Wir haben dies korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.