Herr Markert, Sie haben Anfang Juni die Leitung der Kämmerei im bayerischen Obernburg übernommen. Wollten Sie schon immer Kämmerer werden?
Nein, das war in meinem Lebensplan nicht zwingend vorgesehen. In der Vergangenheit habe ich allerdings schon ernsthaft mit dem Gedanken gespielt. Bei der Entscheidung Stadtkämmerer von Obernburg zu werden, war vor allem die regionale Bindung von Bedeutung. Ich wohne seit 15 Jahren hier, bin in der Stadt vorher schon zur Schule gegangen und habe meine Ausbildung bei der Obernburger Sparkasse gemacht. Geboren wurde ich zehn Kilometer entfernt. Die persönliche Identifikation mit allem was wir tun stand bei meiner Bewerbung im Vordergrund. Als Kämmerer kann ich die Kommune unterstützen.
„Bei der Entscheidung Stadtkämmerer zu werden, war vor allem die regionale Bindung von Bedeutung.“
Bevor Sie sich in der Kämmerei beworben haben, waren Sie Banker. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen völlig neuen Karriereweg einzuschlagen?
Ich hatte einen langen Weg durch die Bank hinter mir. Ich war zum Beispiel neun Jahre Geschäftsstellenleiter bei einer Raiffeisen-Volksbank. Später habe ich die Vertriebssteuerung verantwortet und war leitender Angestellter im Marketing und Vertrieb. Das zeigt: Die Bankenlandschaft verändert sich rasant, auch was das klassische Bankgeschäft angeht. In meiner persönlichen Rolle war ich jedenfalls nicht mehr so nah am Kunden. Die Wirkung meiner Arbeit war dadurch nicht mehr direkt zu spüren. Als dann die Info kam, dass ein Stadtkämmerer in Obernburg gesucht wurde, habe ich mich tiefer in die Materie eingelesen und Rat bei Freunden sowie einem anderen Kämmerer gesucht. Ich wollte wissen, wie das Tagesgeschäft konkret aussieht. Das gefiel mir, also habe ich mich beworben.
Was hat Sie denn am Beruf des Kämmerers überzeugt?
Einmal, dass die Stelle zahlengetrieben ist. Ich hatte ja vorher meinen Schwerpunkt im Vertrieb. Und Kreativität ist auch gefragt. Der Kämmerer sitzt nicht nur am Schreibtisch, sondern kann Impulse setzen. Zudem habe ich viel mit Menschen zu tun: Der Umgang mit den Stadträten spielt zum Beispiel eine große Rolle.
Waren die anderen Bewerber auch Quereinsteiger?
Das weiß ich natürlich nicht, ich gehe aber davon aus. Es ist stark reglementiert wie eng die Personalauswahl erfolgt. Da waren wohl mehrere Bewerber Quereinsteiger, sonst wäre ich es vielleicht nicht geworden.
Was unterscheidet eine Verwaltung von einer Bank?
Erstmal haben Bank und Verwaltung eine wichtige Gemeinsamkeit: Beides sind Dienstleistungsunternehmen. In meiner Rolle in der Bank hatte ich mehr Ergebnisverantwortung. Das Ziel ist, Umsätze zu machen und Kunden zu gewinnen, zu begeistern. Es sind laufend neue Ideen zu entwickeln. Als Mitarbeiter in der Verwaltung geht es mehr um das Umsetzen von Beschlüssen. Da ist immer die Frage: Was geben die gesetzlichen Grundlagen her, um Abläufe umzusetzen?
„Erstmal haben Bank und Verwaltung eine wichtige Gemeinsamkeit: Beides sind Dienstleistungsunternehmen.“
Was macht Ihnen denn am meisten Spaß an Ihrer neuen Rolle?
Ich erlebe genau das, was ich mir erhofft habe – dass ich mich mit allem identifizieren kann. Zum Beispiel wenn es um eine Flussüberquerung oder den Betreuungsbedarf der örtlichen Kitas geht. Alles was man bespricht, hat auch eine direkte Verbindung. Die Entscheidungen der Verwaltung haben aber nicht nur einen Einfluss auf meinen Familien- und Freundeskreis: Man muss ja auch selbst die Beiträge zahlen, die man als Kämmerer empfiehlt.
Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell in der Kämmerei?
Wir wurden, wie die meisten anderen Kommunen auch, durchaus vom Thema Corona getroffen. Nach Umfragen des Bayerischen Städtetages müssen wir auch weiter mit geringen Gewerbesteuereinnahmen rechnen: mit 21 Prozent weniger als in Vorkrisenzeiten. Gleichzeitig beobachten wir einen stark wachsenden Bedarf an Bildung und Sozialem. Wir haben zum Beispiel in den Kitas Investitionen vor uns, die finanziert werden müssen.
Bewegen Sie jetzt mehr Geld als in Ihrem vorigen Job als Banker?
Das kann man so nicht sagen. Die Bank hatte mit 3,5 Milliarden Euro eine höhere Bilanzsumme. Darauf hatte ich natürlich keinen großen Einfluss. Der Marketingetat, für den ich verantwortlich war, ist niedriger als der Haushalt von Obernburg. Wir haben 25 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 8 Millionen Euro im Vermögenshaushalt. Die Haushaltsvolumina bewege ich aber natürlich auch nicht selbst. Da ist der Stadtrat entscheidend.
Wie sieht es mit Ihren Zukunftsplänen aus: Wollen Sie Kämmerer bleiben?
Das wäre super, ich war 25 Jahre in der Bank. Die nächsten 25 würde ich gerne in der Obernburger Kämmerei verbringen. Mein Wusch ist, mich einbringen zu können.
„Banker und Verwaltungsangestellte sind zwei verschiedene Baustellen.“
Würden Sie anderen Bankern raten, sich auf einen Kämmererposten zu bewerben?
Banker und Verwaltungsangestellte sind zwei verschiedene Baustellen. Da ergibt es schon Sinn, dass man das trennt. Deshalb lässt sich die Frage nicht pauschal beantworten. Als Kämmerer muss meiner Meinung nach das Interesse an der Kommune da sein. Schließlich sitzt man beispielsweise bis in die Abendstunden in Stadtratssitzungen. Für viele stellt sich sicherlich auch die Frage, ob man alles öffentlich haben möchte. Das ist nicht jedermanns Sache: Es gibt nichts Transparenteres als den öffentlichen Dienst.
