Hat sich nach einer Amtszeit als Kämmerer in Bad Homburg dazu entschieden, als Berater zu arbeiten: Karl Heinz Krug.

Capgemini

24.11.20
Personen & Positionen

„Ich bin in beiden Welten zu Hause“

Karl Heinz Krug war sechs Jahre lang Kämmerer der Stadt Bad Homburg. Heute arbeitet er in einer Beratung. Was ihn zu diesem Karriereschritt bewegt hat, erklärt Krug im Interview.

Herr Krug, Sie sind seit zweieinhalb Jahren bei der Beratung Capgemini, vorher waren Sie Kämmerer in Bad Homburg. Wieso sind Sie nur eine Amtszeit geblieben?
Bei der Abwägung für einen erneute Kandidatur war die Dauer einer weiteren Amtszeit entscheidend. Meine erste Amtszeit als Kämmerer habe ich 2012 angetreten. Wenn ich für 2018 erneut kandidiert hätte, hätte ich mich für weitere sechs Jahre – bis 2024 – festlegen müssen. Ich dachte mir: „Wenn nochmal eine Veränderung, dann jetzt“. Sonst wäre ich auch insgesamt zwölf Jahre aus der Wirtschaft raus gewesen, das hätte den Wechsel bestimmt schwieriger gemacht.

Sie waren also nicht immer Berufspolitiker.
Genau. Ich bin in beiden Welten zu Hause. Ich war viele Jahre selbstständiger Unternehmensberater für Finanzen und IT und später als Leiter der Finanzkommunikation im Axa-Konzern tätig. Die Politik war zu der Zeit eher ein aktives Hobby von mir. Die Möglichkeit, die Prozesse, die ich bisher nur aus dem Parlament verfolgt und begleitet hatte, als Kämmerer selbst umzusetzen, hat mich gereizt. Deshalb bin ich mit der Kommunalwahl 2011 hauptberuflich als Bürgermeister und Stadtkämmerer in Bad Homburg in die Politik eingestiegen.

Was sind für Sie denn die größten Unterschiede zwischen der Arbeit als Kämmerer und dem Job in der Wirtschaft?
In der Verwaltung gibt es relativ klare Strukturen und den klassischen Dienstweg. In der Unternehmensberatung ist das Umfeld hingegen dynamischer. Ich habe es hier mit unterschiedlichen Verantwortlichkeiten, auch über Kontinente und Kulturen verteilt, zu tun. Gerade das macht aber den Reiz aus.

Sollten Verwaltungen dynamischer werden?
Ich glaube, eine Verwaltung braucht eine gute Mischung: Einige Prozesse müssen standardisiert sein – da ist das klassische Wasserfall-Modell sinnvoll, bei dem Projekte in mehrere Phasen strukturiert werden, die aufeinander aufbauen und in einer festgelegten Reihenfolge durchgeführt werden. An der einen oder anderen Stelle ist es aber ratsam, flexibler zu arbeiten. Um eine agile Arbeitsweise in der Verwaltung einzuführen, ist ein Veränderungsmanagement gefragt: Die Umsetzung erfordert viel Mut und Begeisterung, denn manche Mitarbeiter sind erstmal skeptisch. Dass sich agiles Arbeiten auszahlt, zeigt aber gerade die Coronakrise.

Wann sind denn agile Methoden für Kämmerer sinnvoll?
Gerade wenn man nicht jeden Tag zusammen im Büro sitzt, helfen „Daily Stand-Ups“ zu sehen, wer wo steht und dabei, Aufgaben spontan neu zu verteilen. Bei großen, schwer durchdringbaren Themen hilft es generell, ein agiles Team zu bilden. In der Krisenbewältigung kann zum Beispiel niemand die zu erledigenden Schritte vorher fest definieren, da sich die Rahmenbedingungen ständig ändern.

Wie sollte eine Kämmerei bei solchen Themen vorgehen?
Bei Themen, die ständig neue Herausforderungen beinhalten, helfen „Backlogs“, eine Art Aufgabenstapel. Mithilfe von digitalen oder klassischen Post-its ist es zum Beispiel möglich, dynamische Listen von Arbeitsaufträgen zu erstellen. Anschließend könnte die Kämmerin oder der Kämmerer mit dem Team priorisieren: „Was ist jetzt wichtig, was machen wir später?“ Es lassen sich so Handlungsfelder definieren, die die Mitarbeiter in sogenannten Sprints bearbeiten können. (Scrum Sprints sind Zeitintervalle, mit denen in kurzer Zeit klar definierte Ziele erreicht werden sollen, Anm. d. Red). Ich denke, Kämmerinnen und Kämmerer müssen sich immer fragen, wie sie sich weiter entwickeln können. Dabei hilft auch der regelmäßige Kontakt mit „der anderen Seite“ – also der Wirtschaft.

Können Sie sich vorstellen, noch einmal zurück in die Kämmerei zu gehen?
Wie man so schön sagt: „Sag niemals nie.“ Zur Zeit genieße ich aber das Leben im Beratungsgeschäft. Es ist reizvoll, so viele Freiheiten zu haben: Ich kann selbst Themen definieren und meine eigene Agenda setzen. Ich arbeite auch weiter sehr politiknah, schließlich beschäftige ich mich mit Themen wie der Digitalsteuer, Grundsteuer oder dem OZG und berate das BMF sowie die nachgeordneten Behörden und die Finanzministerien auf Länderebene.

Wieso sind Sie denn ausgerechnet in die Beratung gegangen?
Als ich mich entschieden hatte, zurück in die Wirtschaft zu gehen, gab es für mich zwei Optionen. Die eine Variante war, dort weiter zu machen, wo ich aufgehört hatte: in der Finanzwirtschaft, konkreter in einer Versicherung. Letztendlich habe ich mich aber für die Beratung entschieden, weil sie alle Bereiche verbindet, in denen ich in meiner vorherigen Berufslaufbahn bereits gearbeitet hatte: Beratung, Finanzen, Öffentliche Verwaltung und IT. Digitalisierung ist mir sehr wichtig, in diesem Bereich wollte ich wieder zur Speerspitze aufschließen.

Wie digital war denn Bad Homburg zu Ihrer Zeit als Kämmerer?
Bad Homburg hatte schon einzelne Ansätze, aber keine – im Sinne des OZG – von Ende zu Ende digitalisierten Prozesse. Als Kämmerer konnte ich darauf aber nicht so viel Einfluss nehmen, wie ich gerne wollte. Was wir heute noch an vielen Stellen erleben, nenne ich Formulardigitalisierung: Es wird mit digitalen Formularen für die Bürger gearbeitet, allerdings tippen dann wiederum Sachbearbeiter die online eingegebenen Daten ab. Das ist keine richtige Digitalisierung.

Haben Sie jetzt mehr Einfluss?
Die Art und Weise hat sich verändert: Die Reichweite ist jetzt größer, denn ich kann Informations-Technologie und -Entwicklung in Finanzministerien mit einbringen und zur Verwaltungsmodernisierung in Deutschland beitragen. In der Stadt waren die unmittelbaren Auswirkungen meiner Handlungen dafür direkter zu spüren. Ich habe als Kämmerer Dokumente am Schreibtisch unterschrieben und am nächsten Tag im Stadtbild gesehen, wie die Maßnahmen umgesetzt wurden.

a.jarchau(*)derneuekaemmerer(.)de

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