In den meisten deutschen Großstädten wachen Kämmerer über die kommunalen Finanzen. Doch selbstverständlicher als früher übernehmen Frauen das Amt.

Miriam Mikus, Annekathrin Grehling, Claudia Edler, Jennifer Schlaghecken, Ulrike Büker, Susanne Moroff, Stefanie Ammon und Anja Gerullis – diese Aufzählung mag willkürlich erscheinen, doch alle diese Frauen haben mindestens eine Gemeinsamkeit. Sie treten 2021 das Amt der Kämmerin in einer deutschen Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern oder einem Landkreis an. Darunter sind mit Annekathrin Grehling, Aachen, und Stefanie Ammon, Fürth, zwei Stadtkämmerinnen, die im Amt bestätigt worden sind.

Zwar stehen ihnen im gleichen Zeitraum mehr als doppelt so viele Männer gegenüber, die Kämmerer geworden oder geblieben sind und über die „Der Neue Kämmerer Online“ berichtet hat. Doch der Eindruck bleibt, dass in jüngerer Zeit verstärkt Frauen in die einstige Männerdomäne der Stadtkämmerei Einzug halten.

Kämmerin: Keine Statistik

Offizielle Zahlen und Statistiken, die diesen subjektiven Eindruck untermauern oder auch ins Wanken bringen könnten, gibt es allerdings (noch) nicht. Doch Kämmerinnen erkennen vielfach selbst, dass vermehrt Frauen dieses Amt für sich entdecken. „Insgesamt nehme ich in den vergangenen fast 20 Jahren, in denen ich kommunale Wahlämter begleite, schon wahr, dass die Zahl der weiblichen Führungskräfte zunimmt“, sagt Margarete Heidler, Kämmerin der Bundesstadt Bonn. Der Finanzbereich bildet ihrer Einschätzung nach dabei keine Ausnahme.

Als ein Vorbild dafür, dass Frauen heute als Kämmerin Karriere machen, sieht sich Karin Welge, die derzeitige Oberbürgermeisterin der Stadt Gelsenkirchen. „1998 mit 35 Jahren erste gewählte Kämmerin in NRW zu werden war eine echte Herausforderung. Und ein großer Spaß,“ sagt sie rückblickend über ihre ersten Berufserfahrungen als Kämmerin in Xanten. „Vorreitern zu sein, neue Wege zu gehen, das liegt mir. Schön, dass es jetzt selbstverständlich ist, als Frau Finanzen zu verantworten. Das können wir richtig gut.“ Ende 2015 wurde sie Kämmerin der Stadt Gelsenkirchen bevor sie 2020 als Oberbürgermeisterin gewählt wurde.

Ein Blick auf die aktuelle Lage in deutschen Städten untermauert den Eindruck, dass durchaus häufiger Frauen als noch vor wenigen Jahren Kämmerin werden. Doch Männer stellen noch immer die Mehrheit der Amtsinhaber. Vor allem auf die Großstädte trifft dies zu. Je größer eine Stadt nach Einwohnerzahl ist, umso seltener verantworten offenbar Frauen die dortigen Finanzen.

So stehen in den zehn größten Städten Deutschlands derzeit lediglich zwei Kämmerinnen an der Spitze der Finanzverwaltung. Das sind Dörte Diemert in Köln und Dorothée Schneider in Düsseldorf. In zehn etwas kleineren Großstädten sind derzeit mit Eva Maria Hubbert (Bochum), Margarete Heidler (Bonn) und Christine Zeller (Münster) drei Stadtkämmerinnen aktiv. Auffällig neben dem etwas größeren Frauenanteil innerhalb der Gruppe der kleineren Großstädte ist, dass die Kämmerinnen zumeist relativ neu im Job sind.

Am längsten im Amt als Kämmerin, bezogen auf alle 20 Großstädte, ist seit November 2015 Dorothée Schneider in Düsseldorf, am kürzesten ist Christine Zeller Kämmerin in Münster (Januar 2020). Ebenfalls interessant ist, dass lediglich eine von ihnen direkt auf eine Vorgängerin gefolgt ist – die Rede ist von Dörte Diemert, die Ende Januar 2019 die Nachfolge von Gabriele Klug antrat.

Einstige Männerdomäne Kämmerer

Judith Michels, Senior Manager im Bereich Public und Non-Profit bei der Beratungsfirma Kienbaum, beobachtet, dass sich Frauen mit zunehmender Selbstverständlichkeit bei der Jobwahl einstmals stereotype „Männerdomänen“ aussuchen. „Dieser Trend lässt sich in den vergangenen Jahren zunehmend beobachten“, sagt die Beraterin. Sie ziehe sich durch alle Bereiche sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor.

Dabei entwickelten sich die Veränderungen im öffentlichen Bereich analog zu denen in der Privatwirtschaft, es würde aber mitunter längere Zeit dauern, bis sie schließlich sichtbar würden. „In Kommunen sind Prozesse meistens mittel- bis langfristig angelegt“, erklärt sie den Zeitverzug. Auch verliefen Veränderungsprozesse nicht zwangsläufig linear.

Doch der „öffentliche Dienst will und soll mit gutem Beispiel vorangehen“, sagt Michels. In den steigenden Zahlen weiblicher Führungskräfte in den Kommunen sieht sie auch erste Erfolge des 2015 in Kraft getretenen Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen (FüPoG), das sowohl Regelungen für die Privatwirtschaft als auch den öffentlichen Dienst vorsieht.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

Eine kürzere Version des hier veröffentlichten Artikels ist in der DNK-Ausgabe 2/2021 erschienen. Lesen Sie Morgen im zweiten Teil warum heute mehr Frauen als in früheren Zeiten den Karriereweg Kämmerin einschlagen.

 

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