Angesichts stark steigender Strom- und Gaskosten rechnen die Stadtwerke in Deutschland mit zunehmenden Zahlungsausfällen ihrer Kunden. Bisher hätten diese bei unter einem Prozent gelegen, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), gegenüber den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Mittlerweile kalkulierten viele Stadtwerke jedoch bereits Ausfallraten von bis zu 15 Prozent ein. „Das wird dann bedrohlich“, sagte Liebing. Ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten der Versorger seien die Folge. Dadurch wäre letztendlich auch die Versorgungssicherheit in Deutschland gefährdet. Um das zu verhindern, forderte Liebing unter anderem ein Insolvenzmoratorium für Energieversorger.
Leipzig stellt Stadtwerken Gesellschafterdarlehen zur Verfügung
Damit es gar nicht erst so weit kommt, spannt beispielsweise die Stadt Leipzig „vorsorglich ein Sicherheitsnetz für Liquiditätshinterlegungen an den Börsen“. Über die Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (LVV) stellt die Stadt laut Mitteilung „kurzfristig ein Gesellschafterdarlehen von bis zu 150 Millionen Euro zur Verfügung“. Das gebe den Leipziger Stadtwerken die Möglichkeit, auch bei weiterhin starken Börsenpreisbewegungen eine verlässliche Energiebeschaffung und -versorgung zu sichern.
Gleichzeitig erneuerte Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung seine Forderung nach schneller Hilfe des Bundes für kommunale Stadtwerke: „Der Bund muss auch die Stadtwerke unter den Schutzschirm holen. Es kann nicht sein, dass große Energiehandelskonzerne mit Milliarden gestützt werden, die kommunalen Stadtwerke aber leer ausgehen.“ Das könne die kommunale Ebene nicht allein abfedern.
Stadtwerke sind systemrelevant
Ähnlich hatte bereits Städtetagpräsident Markus Lewe bei der Bundespressekonferenz am Dienstag in Berlin argumentiert – DNK berichtete. Stadtwerke seien systemrelevant nicht nur als „Träger der Daseinsvorsorge“, sondern auch als „Triebfedern für Maßnahmen des Klimaschutzes und der Klimaanpassung“. Die dramatischen Preissteigerungen auf dem Energie-, insbesondere dem Gasmarkt setzen sie laut Lewe „großen Risiken“ aus. Vor diesem Hintergrund forderte er einen Rettungsschirm, um die kommunalen Unternehmen zu schützen.
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Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.

