Ist glücklich in ihrem Job als Verwaltungsleiterin des Goethe-Instituts in Japan: die ehemalige Bühler Kämmerin Johanna Balaskas.

Goethe-Institut Tokyo

18.02.21
Personen & Positionen

„Das übliche Kämmerer-Schicksal verfolgt mich weiter“

Die ehemalige Bühler Kämmerin Johanna Balaskas hat den Schritt ins Unbekannte gewagt. Seit zwei Jahren ist sie Verwaltungsleiterin des Goethe-Instituts in Japan. Welche Parallelen es zwischen den beiden Jobs gibt und ob sie etwas aus Deutschland vermisst, verrät Balaskas im Gespräch mit DNK.

Ich habe schon mein ganzes Leben lang davon geträumt, im Ausland zu arbeiten.

Johanna Balaskas

Frau Balaskas, Sie waren zwölf Jahre Kämmerin in der badischen Mittelstadt Bühl. Was hat Sie in die Millionenmetropole Tokio verschlagen?
Ich habe schon mein ganzes Leben lang davon geträumt, im Ausland zu arbeiten. Aber als Kommunalbeamtin ist das ja so eine Sache. Wie sagt man so schön? Einmal Beamtin, immer Beamtin… Lange haben die Umstände einfach nicht gepasst. Zum Beispiel hätte ich schlecht ans andere Ende der Welt ziehen können, solange mein Sohn noch klein war. Der ist aber inzwischen 30 Jahre alt und kommt alleine zurecht.

Also haben Sie das Fernweh erstmal ignoriert?
Genau. Der Gedanke war schon da, aber ich habe das immer aufgeschoben. Gleichzeitig hatte ich auch eine schöne Karriere in Deutschland als Amtsleiterin der Kämmerei und Kämmerin in Bühl. Das wirft man auch nicht so einfach hin. Aber dann wurde ich 50 und das Fernweh kam wieder hoch. Das Kind war groß, die Karriere gemacht. Da bin ich auf eine interessante Ausschreibung für die Verwaltungsleitung beim Goethe-Institut gestoßen – mit Rotationen rund um die Welt. Ich dachte mir: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Also habe ich mich beworben und dann ging es auch schon los.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie wussten, dass es nach Tokio geht?
Die Bewerbung war Ende Juni 2018. Ein paar Wochen später kam die erste Intervieweinladung und dann ein zweitägiges Assessmentcenter. Dafür bin ich extra aus meinem Griechenlandurlaub nach München geflogen. Wenn ich eine Absage bekomme hätte, hätte ich gesagt: „Dann war es das jetzt, das Leben ist ja trotzdem schön.“ Zwei Wochen später lag das Angebot für die Stelle in Tokio auf dem Tisch. Das war erstmal ein Schreck – aber ein freudiger.

Das war erstmal ein Schreck – aber ein freudiger.

Johanna Balaskas

Dann konnten Sie wahrscheinlich noch kein Japanisch sprechen?
Nein. Mein Mann und ich lernen noch. Ich denke, das wird eine Lebensaufgabe. Am Institut sprechen aber alle deutsch, auch die japanischen Ortskräfte – deshalb war das kein Problem.

SAP in der Kämmerei und Verwaltung

Welche Parallelen hat denn Ihr jetziger Job zu Ihrer früheren Tätigkeit als Kämmerin?
Man könnte sagen, das übliche Kämmerer-Schicksal verfolgt mich weiter: Jahresabschlüsse und Buchhaltungsaufsicht. Ich bin aber auch generell dafür verantwortlich, dass der Betrieb störungsfrei und ohne Reibungsverlust funktioniert. Der Job als Verwaltungsleiterin ähnelt eher dem eines Hauptamtsleiters in einer Gemeinde, da man in alle Themen involviert ist. Neben der Budgetplanung bin ich auch für die Personalverwaltung und die Liegenschaften verantwortlich.

Verwenden Sie bei der Budgetplanung die gleichen Programme wie in der Bühler Kämmerei?
Wir arbeiten mit dem Buchungsprogramm SAP. Das kennen wir baden-württembergischen Kämmerer schon seit etlichen Jahren: Die Umstellung von einer kameralistischen Buchhaltungssoftware auf SAP war in Bühl 2003. Auch die doppische Buchführung ist mir natürlich nicht unbekannt. Das kommt mir hier zu Gute. Im Unterschied dazu funktionieren das Controlling und die Budgetüberwachung über eine Schnittstelle in Excel. Das ist komfortabel. Solche Tools hätte ich mir auch in der Kämmerei gewünscht.

Was läuft denn am Goethe-Institut anders als in einer Kommune?
Es gibt mehr Kontinuität bei der Planung. Wir hatten in der Kämmerei in Bühl natürlich auch eine Checkliste für wiederkehrende Arbeiten. Der Haushaltsaufstellungsprozess ist in einer Kommune allerdings stark von politischen Prozessen und jährlich unterschiedlichen Bedarfen geprägt. Da sieht kein Haushaltsplan inhaltlich aus wie der vorangegangene, die Haushaltsrede ist gleichsam eine Regierungserklärung für das kommende Jahr. Natürlich hat eine Kommune ein vielschichtiges Aufgabenspektrum, beim Goethe-Institut sind der Sprachunterricht und das Kulturprogramm die zwei großen Themenfelder. Das tritt nicht in den Hintergrund, weil zum Beispiel die Erschließung von Gewerbe- oder Wohnbauvierteln anstehen.

In meiner neuen Position ist die Haushaltsaufstellung im Vergleich nüchtern.

Johanna Balaskas

Vermissen Sie die Haushaltsaufstellung?
Das ist eine gute Frage. Der Haushalt ist natürlich das Essentielle an der Kämmererstelle. Die Aufstellung dauert lange: Technische Vorbereitungen fangen bereits vor dem Sommer an. Dann folgen Gespräche, Planentwürfe, und wiederum Besprechungen mit Bürgern und dem Oberbürgermeister. Die Einbringung und insbesondere die Haushaltsrede sind ein spezielles Prozedere, das ich immer gerne mitgestaltet habe. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob ich das vermissen muss. In meiner neuen Position ist die Haushaltsaufstellung im Vergleich nüchtern. Große Reden halten wir nicht. Dafür geht alles schneller: Die Budgetaufstellung läuft innerhalb eines Monats. Wenn es mit den anderen Ländern aus der Region passt, dann ist der Prozess auch schon so gut wie abgeschlossen. Zähe Diskussionen um einzelne Positionen mit dem Verwaltungsausschuss finden nicht statt.

Zurückhaltung in Japan

Japan hat eine ganz andere Kultur als Deutschland. Welche kulturellen Unterschiede erleben Sie im Arbeitsalltag?
Die Menschen hier sind eher zurückhaltend und leise. Ich habe mir eine langsamere und leisere Sprechweise angewöhnt, um meine Gesprächspartner nicht zu erschrecken. Außerdem sind die Japaner sehr höflich. Alles ist sauber und der Dienstleistungs- und Servicegedanke wird groß geschrieben. In Deutschland bekommt man dafür schneller klare Ansagen. Vorher war ich sachliche faktenorientierte Besprechungen gewohnt. In Japan gibt es nach einer einzigen Besprechung für mich oft noch kein klares Bild.

Vermissen Sie etwas aus Deutschland?
Eigentlich nicht. Der achtstündige Zeitunterschied macht Telefonate mit der Familie natürlich schwierig. Auch deftiges Essen bekommen wir hier nicht überall. Ansonsten muss man aber nichts vermissen. Ein kleines Stück Heimat haben wir uns sozusagen aus dem letzten Deutschlandurlaub mitgebracht: Da haben wir uns ein internetfähiges Radio gekauft. Zum Frühstück hören wir jetzt immer live das deutsche Nachtprogramm.

Würden Sie Ihren Kämmerer-Kollegen raten, nach Japan auszuwandern? 
Im Moment kann ich es jedem empfehlen. Mein Mann und ich fühlen uns gut aufgehoben. Und so gewagt war der Karriereschritt nun auch wieder nicht: Schließlich steht das Auswärtige Amt dem Goethe-Institut als internationalem Mittler zur Seite und durch die Bezahlung nach TVöD fühlt sich das fast wie früher an.

a.jarchau(*)derneuekaemmerer(.)de

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit der DNK-Themenseite Karriere & Personal.